Herr Fenner, Sie sind ja als Stilexperte vermutlich nie in unangenehme Situationen verstrickt. Gibt es dennoch Momente, in denen selbst Sie überlegen müssen, was angebracht ist?

Oh ja, solche Situationen kommen nicht selten vor. Situationen, die eine schnelle Entscheidung erfordern. Soll ich zum Beispiel als Einziger aufstehen, wenn eine Dame den Raum betritt und die anderen diese Höflichkeitsgeste für überflüssig halten? Schließlich sollte ich mit meiner Höflichkeit auch nicht die anderen diskriminieren.  -  Oder: Soll ich ebenfalls mit Küsschen rechts, Küsschen links eine Gruppe von Menschen, die ich weder gut kenne, noch besonders mag, begrüßen, auch wenn ich ganz generell diese Begrüßungsart nicht so recht schätze? Auch hier gilt es abzuwägen zwischen dem Gebot, sich den Gepflogenheiten der jeweiligen Gesellschaft weitgehend anzupassen, und dem eigenen Stilempfinden, welches mir Shake-hands oder allenfalls den Handkuss angemessen erscheinen ließe.

Besonders wichtig ist das korrekte Verhalten ja im Business-Bereich. Haben sie da einen speziellen Tipp? Etwas, worauf man immer achten sollte? Bei einer korrekten Begrüßung im Business-Bereich kann man viel falsch machen. Eine grundlegende Frage ist, nach welchem Kriterium jemand zuerst begrüßt wird: nach Geschlecht (also die Frau zuerst) oder nach Rangfolge?

Bei der Rangfolge steht das Alter häufig in Konkurrenz mit dem Geschlecht. Generell gilt: Man stellt DEM Höherrangigen (m./w.) DEN Niedrigerrangigen vor. Aber wer ist höherrangig, wenn zum Beispiel eine jüngere Dame mit einem würdigen älteren Herrn bekannt gemacht werden soll? Hier muss ich blitzschnell prüfen, stelle ich SIE IHM, oder IHN IHR vor? Da ist individuell abzuwägen, wem man nun den höheren Rang zubilligt. Entscheide ich mich für den deutlich älteren Herrn, habe ich DIESEN anzusprechen, mit den Worten, „Herr XY, darf ich Ihnen meine junge Cousine, Frau Cornelia Z. vorstellen?“ Wenn ich mich entscheiden muss, wer zuerst zu begrüßen ist, lass ich mich vom „Würde-Prinzip“ leiten: Wer von beiden erscheint mir  -  ganz subjektiv  -  würdiger. Ich rate dann allerdings  -  wie immer bei Höflichkeitshandlungen, die dazu zwingen, aus zwei Möglichkeiten die richtige auszuwählen  – , den Gruß in solchem Fall mit den Worten zu begleiten, „Die Situation macht mich verlegen; denn ich weiß jetzt wirklich nicht, wem von Ihnen beiden so würdigen Personen ich zuerst die Hand geben soll!“ Indem Sie Ihre Überlegungen laut kundtun, sind Sie schon entschuldigt; denn jeder weiß jetzt, dass Sie sich bei Ihrer Handlung etwas gedacht haben, dass die Situation Sie aber in einen unlösbaren Entscheidungskonflikt gebracht hat. Indem Sie beiden die Ranghöhe zusprechen, ehren Sie auch beide Personen auf charmante Art.

Bei uns im Lecturio-Büro gab es letztlich eine Diskussion über das richtige Verhalten, nachdem man geniest hat: die Einen sagen, derjenige muss sich entschuldigen, die Anderen behaupten „Gesundheit“ sagt man nicht mehr. Was stimmt denn nun?

Diese Diskussion ist in Mode gekommen, und manch ein Schlauberger behauptet dazu kühn, früher habe man „Gesundheit“ gerufen und heute entschuldige sich der Nieser „neuerdings“. Das ist so allerdings nicht richtig. Das Bewusstsein für Stil-und-Etikette-Fragen hat sich lediglich geändert. Kultivierte Menschen haben Körpergeräusche schon immer vermieden und haben sich entschuldigt, wenn diese eben mal nicht zu vermeiden waren. Andere Menschen haben lautes Niesen eher als lustige Bereicherung etwa der Bürokommunikation empfunden und haben sich über die entsprechende Reaktion, nämlich über den Ausruf „Gesundheit!“ der- oder desjenigen gefreut, die den unflätigen Niesanfall hinzunehmen gezwungen waren. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Feine Leute niesen sehr leise, vielleicht mit einem Taschentuch vor dem Mund, und entschuldigen sich über das auch so vielleicht nicht gänzlich vermeidbare Körpergeräusch. Wer dann „Gesundheit“ ruft, bepeinlicht so eine kultivierte Person zusätzlich. Das übergeht man also. Aber wenn Sie einen Kollegen am Schreibtisch nebenan sitzen haben, der nun mal mit großer Leidenschaft wie Donnerhall niest, dann sagen sie ruhig „Gesundheit“; denn gutes Benehmen ist auch, sich so zu verhalten, dass der jeweils Andere sich mutmaßlich darüber freut.

http://blog.lecturio.de/interview-uwe-fenner

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Die Braut ist eigentlich der Focus aller Blicke bei einer Hochzeit. Sie sorgt mit gutem Aussehen und vor allem auch mit ihrem schönen Brautkleid für Bewunderung, für „Oh“ und „Ah“ der Gäste und für tränenfeuchte Taschentücher bei alten Tanten und für peinliche Gedanken bei vielen alten Herren.  Auch die Roben der weiblichen Gäste lösen Bewunderung aus. Besonders bei großen und eigentlich immer bei adligen Hochzeiten verkleiden große Hüte mit phantasievollem Schmuck häufig Fältchen und Rünzelchen alternder Grandes Dames.

Und der Bräutigam? Die männlichen Hochzeitsgäste? Auch für sie gibt es „das passende Hochzeitsoutfit“. Es kommt auf Art und Stil der Hochzeit an.

 

1.      Die formvollendete, vornehme Morgenhochzeit

Auch wenn viele Menschen nicht mehr kirchlich heiraten, beziehen sich meine Ausführungen auf Hochzeiten, deren Hauptakt die kirchliche oder sonstwie durch ein besonders festliches Zeremoniell gekennzeichnete Traufeier gekennzeichnet ist. Der Einfachheit spreche ich daher im Folgenden nur von der „kirchlichen Trauung“, auch wenn der Trauungsakt in ähnlicher Festlichkeit nicht in der Kirche stattfinden sollte.

Auch im christlichen Abendland wurden Hochzeiten durchaus unterschiedlich gefeiert. Während in katholischer Bevölkerung sowie auch überwiegend beim Adel die kirchliche Trauung eher morgens, d.h. zwischen 11 und 14 Uhr stattfindet, also in Form einer „Morgenhochzeit“ gefeiert wurde, haben Protestanten häufig die sogenannte „Abendhochzeit“ bevorzugt, bei welcher die eigentliche Trauung zwischen 15 und 18 Uhr in der Kirche stattfindet. Je nachdem, wann also die Hochzeitsgesellschaft in die Kirche geht, pflegen Bräutigam und Gäste auch unterschiedliche Kleidung zu tragen. Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass zur Hochzeit nur der festlichste Anzug getragen wird, und das ist morgens traditionell der Cutaway.

Der Bräutigam trägt also bei der  Morgenhochzeit einen Cutaway, die männlichen Gäste ebenfalls. Ersatzweise den etwas aus der Mode geratenen „Kleinen Stresemann“ oder, wenn man beides nicht hat und weder anschaffen noch leihen mag, der dunkelgraue (anthrazitfarbene) Anzug.

Der Cutaway ist ein vorne rundgeschnittener Gehrock, welcher durch einen einzigen Knopf vorne zusammengehalten wird. Er ist  -  jedenfalls in Deutschland  -  stets dunkel-dunkel-grau (fast schwarz) und ist in seiner Stoffstruktur nicht glatt, ehr filzig oder flannellig, nur nicht so flauschig. Die Hose, die zum Cutaway gehört, ist schwarz-grau gestreift, wobei sich in den mittel- bis hellgrauen Streifen klassisch kleines Fischgrätmuster befindet. Die Hose besitzt keinen Umschlag. Im Alltag kann man einen Cutaway sehen z.B. im Eingang von Ritz-Carlton Hotels. Dort und auch in anderen guten Hotels tragen die Portiers dieses Kleidungsstück. In England werden auch Cutaways in hellem Grau und in Beige , dann jeweils der ganze Cutaway-Anzug (Rock und Hose) aus dem gleichen Stoff gefertigt. Zum Beispiel tragen feine Engländer zum Pferderennen in Ascot meistens graue oder  -  seltener  -  beigefarbene Cutaways mit entsprechend farbigem Zylinder. Prinz Charles etwa trug bei seiner Vermählung zum Standesamt einen beigefarbenen, zur Kirche danach einen klassischen schwarzen Cutaway, dann natürlich mit der grau-schwarz gestreiften Hose.

Zum Cutaway gehört in jedem Falle eine Weste. Diese kann ein- oder zweireihig sein. Früher war sie silbergrau, heute haben wir von den eher farbenfreudigen und –mutigen Briten übernommen, dass die Weste zum Cutaway viel hübscher in Pastellfarben kleidet: gelb, beige, hellgrün, hellblau und sogar ein blasses rosa behmen dem Cutaway seinen altmodischen und allzu ernsten Charakter. Heute trägt man zum Cutaway vorzugsweise ein weißes oder weiß-blau gestreiftes Hemd mit Kentkragen oder dem „Cutaway-Kragen“ oder ein hellblaues oder rosafarbenes Hemd mit weißem Kontrastkragen  -  je nachdem, was auch zur Weste passt, auf keinen Fall in derselben Farbe wir die Weste.

In Deutschland kaum noch üblich ist der mittelflache Zylinder zum Cutaway. Dieser ist im Gegensatz zum zusammenklappbaren Seidenzylinder, dem „Chapeau-claque“  klassischerweise aus Biberfellfilz, folglich auch nicht zum Zusammenfalten geeignet. Doch wenn überhaupt Hut getragen wird, gehört dieser Zylinder aus Biberfellfilz dazu.

Für kalte Tage passen zum schwarzen Cutaway hellgraue Wildlederhandschuhe, schwarze glatte Schuhe und ein schwarzer langer Mantel ohne Gürtel oder  -  für den ausgefallenen Geschmack  -  eine schwarze Pelerine mit weißem Seidenfutter, dazu weißer oder schwarz-weiß gepunkteter Seidenschal.

Früher wurde Eckenkragenhemd (Kläppchen- oder Frackkragen) und Plastron getragen, was heute eher als gestelzt angesehen wird. Frei nach dem Motto, „der Gentleman ist lässig“ zieht man ein Hemd an, wie oben beschrieben, natürlich mit Doppelmanschetten und edlen Manschettenknöpfen und eine gediegen bunte Krawatte, wo früher, bei silbergrauer Weste silbergraues Plastron oder zumindest silbergraue Krawatte Pflicht waren.

Die Strümpfe (keinesfalls kurze Socken) sind schwarz und möglichst aus Seide. Die Uhr ist aus Gold, und wenn es keine Armbanduhr, sondern eine ererbte Taschenuhr sein sollte, steckt sie  -  im Gegensatz zu den Usancen beim Frack  -  in der Westentasche.

Der klassisch, so wie oben beschrieben gekleidete Hochzeitsgast unterscheidet sich in seinem Outfit überhaupt nicht vom Bräutigam.

 

 2.      Die formvollendete, vornehme Abendhochzeit

Klassich trägt der feine Herr abends nie dasselbe, was er den ganzen Tag anhatte. „Never brown after six“ zum Beispiel besagt ja schon, dass ein Herr, der etwa tagsüber in seinem Business einen hellen  oder graugemusterten Anzug oder auch eine Kombination aus grauer Flanellhose oder farbiger Chino und braun- oder grüngemustertem Tweedsakko (die klassische Kombination) und dazu stets braune Schuhe trägt, wechselt zum Abend sein Outfit und trägt dann  -   je nach Anlass  -  zum Beispiel einen dunkelblauen Blazer zu grauer Hose oder farbiger Chino oder dunklen Anzug, auf jeden Fall abends schwarze Schuhe.

Ähnlich verhält es sich mit der Festkleidung. Was am Tage vornehm und festlich wirkte, ist am Abend obsolet. Der festliche Morgenanzug ist der Cutaway, der festliche Abendanzug („Großer Abendanzug“) ist der Frack. Wer den Frack nicht kennt, dem empfehle ich, ein klassisches Sinfoniekonzert zu besuchen. Im Sinfonieorchester tragen die männlichen Musiker auf der ganzen Welt Frack.

Der Frack ist also auch das Kleidungsstück, welches in sehr guter Gesellschaft bei Abendhochzeiten getragen wird. Die Abendhochzeit beginnt, wie die Morgenhochzeit mit der kirchlichen Trauung, nur dass diese eben am Nachmittag, frühestens um 15 Uhr, durchgeführt wird, damit sich im Anschluss daran direkt und im gleichen Outfit ein Empfang und das Hochzeitsdinner, gegebenenfalls noch das Tanzvergnügen anschließen. Während dem Hochzeits- (Trauungs-) Akt am Vormittag („Morgenhochzeit“) in der Regel ein Empfang oder ein (Sekt-) „Frühstück“ folgen und danach entweder Ende ist oder bis zum eventuell dann abends stattfindenden Dinner im Frack eine große Erholungspause eingelegt wird, in welcher sich dann auch die Gäste umziehen können, werden die einzelnen Bestandteile einer „Abendhochzeit“  hintereinander durchgefeiert: Kirchliche Trauung im Frack, anschließend Empfang im Frack, anschließend Dinner im Frack. Gegebenenfalls anschließend Tanz  -  natürlich erst recht im Frack.

Der Frack besteht  -  wie der Cutaway  -  aus drei Teilen: Dem eigentlichen Rock, das ist eine Mischung zwischen kurz und lang, nämlich vorne sehr kurz, nur etwa bis zum Hosenbund reichend, und hinten lang in zwei lange Frackschöße sich erstreckend. Der Frack ist der „Große Abendanzug“. Rock und Hose sind tiefschwarz, es gibt ihn auch nachtblau. International wird als Dresscode „White Tie“ genannt, wenn der Frack (englisch auch schlicht „evening suit“) gemeint ist.

Der „Kleine Abendanzug“ ist der Smoking („Black Tie“). Den Frack trägt man ausschließlich mit schneeweißer Fliege aus einem Piké-Stoff („Waffelmuster“). Aus demselben Stoff besteht die weit ausgeschnittene, ebenfalls schneeweiße Frackweste. Sie wird sowohl einreihig, in der Regel mit 6 Knöpfen, als auch zweireihig, ebenfalls mit meistens 6 Knöpfen, je drei übereinander, getragen und hat ein eigenes Revers (Schalkragen) sowie zwei Westentaschen, in welche man nie eine Frackuhr steckt. Diese wird beim Frack vielmehr in der Hosentasche getragen. Ebenso gut und etwas zeitgemäßer ist die flache goldene Armbanduhr.

Das Frackhemd hat eigentümlicher Weise keine Umschlag-, sondern nur einfache Manschetten, die natürlich auch mit Manschettenknöpfen, meist goldenen mit Halbedelsteinen besetzten Manschettenknöpfen zusammengehalten werden. Ich persönlich finde diese einfachen Manschetten popelig und trage auch als Frackhemd nur solche mit Doppelmanschetten. Die Hemdenbrust des Frackhemdes ist ebenfalls aus Piké-Stoff und wird steif gestärkt getragen. In der Hemdenbrust gibt es keine angenähten Knöpfe. Vielmehr werden als Knöpfe Perlen getragen. Diese Perlen sind an winzigen goldenen Klappgestängen angeschraubt, so dass sie  -  ähnlich wie ihre großen Brüder, die Manschettenknöpfe  -  durch die Knopflöcher der Hemdenbrust gesteckt und fest geklappt werden können.

Die Frackhose hat an den Außennähten der Hosenbeine einen Doppelgalon, neuere Modelle haben schmalere Hosenbeine, als sie früher getragen wurden, und besitzen  -  wie der Smoking  -  nur einen einfachen Galon aus schwarzer Seide. Solch ein Galon ist ein etwa zwei Zentimeter breiter Streifen, wie ihn italienische Polizisten an ihren stolzen Uniformhosen tragen.

Die Strümpfe sind möglichst aus Seide. Als Schuhe werden Lackschuhe, traditionell sogar Lack Pomps mit einer Schleife aus Seidenrips getragen.

Der traditionell dazu zu tragende Hut ist der Chapeau-claque, also der zusammenklappbare Seidenzylinder. Für den Weg durch die Kälte ist eine mit weißer Seide gefütterte Pelerine oder ein schwarzer Chesterfield (klassischer Mantel mit verdeckter Knopfleiste) oder ein ein- oder zweireihiger Parletot mit schwarzem Samtkragen. Der Schal dazu ist aus weißer Seide.

 

 3.      Die bürgerliche Hochzeit

Es gibt nicht viele Hochzeitsfeste, die so formell, so formvollendet und so stilvoll ablaufen, dass tatsächlich von der Mehrzahl der männlichen Gäste tagsüber der Cutaway und abends der Frack getragen werden. Anstelle des Cutaways wird auch der „Kleines Stresemann“ und anstelle des Fracks der Smoking getragen. Oder statt sowohl des einen wie auch des anderen Kleidungsstücks einfach der dunkle Anzug.

Der „Kleine Stresemann“, später wegen seiner Bedeutung nach dem Kriege in den Bonner Regierungskreisen auch häufig als „Bonner Anzug“ bezeichnet, ist ein Bisschen aus der Mode gekommen. Erfunden wurde dieser Anzug 1925 vom Reichskanzler Gustav Stresemann, der es leid war, zwischen Reichstag, wo Cutaway damals Vorschrift war, und seinem Büro in der Reichskanzlei ständig den Anzug wechseln zu müssen. Er zog also nur den Cutaway-Rock aus, behielt aber die gestreifte Hose an und zog ein schwarzes Jackett an. Aus diesen Teilen besteht bis heute der „Kleine Stresemann“, „Stresemann-Anzug“ oder „Bonner Anzug“. Dazu wird eine silbergraue Weste getragen. Bei Trauerfeiern ist diese übrigens, wie auch beim Cutaway schwarz. Wie schon der Cutaway so ist auch der Stresemann ein Morgenanzug, das heißt, er verträgt keine künstliche Beleuchtung.

Viel mehr noch als der Stresemann ein  Cutaway-Ersatz ist, ist der Smoking, also der „Kleine Abendanzug“ ein Ersatz für den Frack am Abend. Allerdings hat sich der Smoking  -  im Gegensatz zum Stresemann  -  viel deutlicher und breiter durchgesetzt. Der Smoking ist inzwischen der ganz normale Abendanzug zu allen Arten von Festivitäten, Galas, großen Diners, Bällen und abendlichen Hochzeiten geworden.

Es ist grundsätzlich ein schwarzer Anzug mit seidenen Revers und einem Seidengalon an den äußeren Hosennähten. Dazu wird eine schwarze Fliege getragen, daher auch die internationale Dresscode-Bezeichnung „Black Tie“. Es gibt ihn ein- oder zweireihig. Zum einreihigen Smoking gehört unbedingt eine Weste oder ein seidener Kummerbund, was manche Herren nicht einhalten und ihren häufig zu dick geratenen Bauch  unter dem unfein oft offen getragenen  Smokingjackett mit einer Mischung von Lässigkeit und Schlampigkeit zur Schau tragen.

In letzter Zeit gibt es, insbesondere bei jungen Männern, Smokings mit andersfarbenen Sakkos, zum Beispiel aus dunkelrotem Samt, und auch die schwarze Fliege wird häufig durch andersfarbige ersetzt. Früher war es ganz unmöglich, den Smoking in der Kirche, zum Beispiel zu einer Hochzeit am Nachmittag zu tragen. Das hat sich geändert. Allerdings sollten in der Kirche keine Farbenexperimente gemacht werden. Der Smoking, der mit einer farbenfrohen Fliege oder gar mit einer bunten Smokingjacke kombiniert wird, gehört auf eine Party, aber nicht in die Kirche.

Zum Smoking gehört ein schönes Hemd. Ein Smokinghemd ist entweder mit einer Faltenbrust ausgestattet, oder es hat, ähnlich wie das Frackhemd, eine Pikébrust, oder es ist glatt und hat eine verdeckte Knopfleiste. Am schicksten sind Smokinghemden mit einer Pikébrust, normalem Kent-Kragen und keinen eigenen Knöpfen vorne. Denn auch zum feinen Smokinghemd gibt es gesonderte einsteckbare Zierknöpfe, am edelsten goldene mit kleinen Gabouchons, kleinen runden oder ovalen in Gold gefassten Halbedelsteinen, praktisch wie winzige Manschettenknöpfchen.

Die Schuhe zum Smoking sind Schnürschuhe aus schwarzem Lackleder oder schwarze Gucci-Loafer. Die Strümpfe sind schwarz. Die Weste kann aus Seide sein, ein- oder zweireihig und mit oder ohne eigene Schalkragenrevers, wie die Revers der Smokingjacke und wie die schwarze seidene Fliege.

 

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß bei der Auswahl ihrer Fest- und Hochzeitskleidung und kann mit bestem Gewissen die Maßkonfektionsschneiderei Xiuts mit ihren gut ausgestatteten Läden in Frankfurt, Köln, München und Düsseldorf als Produktionsfirma individueller, feiner und bestens sitzender Herrenkleidung empfehlen.

Uwe Fenner
Benimm-, Stil- und Kniggeexperte
Seminare und Coaching
Berlin
www.fenner.de  -  u.fenner@fenner.de

Der Herren Dresscode

Dezember 23, 2013

anzug-krawatteNun ist es bald soweit. Noch einmal schlafen und es ist Weihnachten. Traditionell verbringt man den Heiligabend mit der Familie, doch immer mehr Jugendliche und Erwachsene feiern nach der Bescherung noch mit Freunden weiter.

Sei es ein kleiner Umtrunk in der Bar oder eine ausgedehnte Tanznacht in der Lieblings Diskothek. Für Singles auch oftmals eine gute Gelegenheit ihren ganz persönlichen Weihnachtsengel zu finden, das gelingt aber nur mit dem richtigen Outfit.

Das passende Weihnachts-Outfit

Auch zu Weihnachten kann man sich schon mal ein bisschen herrichten. Schließlich ist es ein feierlicher Anlass an dem die ganze Familie zusammen kommt. Und wenn man nicht will das Oma Berta und Tanta Ursel wie jedes Jahr mal wieder über das eigene Outfit herfallen, sollten man sich über die eigene Weihnachtsgarderobe lieber ein wenig mehr Gedanken machen. Während Frauen sich daran gar nicht stören und mit Freuden ein neues Outfit im Vorfeld shoppen, quälen sich die Herren schon ein bisschen mehr. Und dabei ist es gerade für Männer so einfach gut auszusehen.

Ein schlichte Hose mit einem schönen Pullover, ein eleganter Anzug oder eine lässige Jeans mit einem hochwertigen Hemd. Ruck Zuck wird so garantiert aus jedem Mann ein Hingucker. Wichtig ist vor allem die Qualität der Sachen. Das gilt zwar auch für die Damen aber die können schon mit einem hochwertigem Teil ein komplettes Outfit aufwerten, von Accessoires ganz abgesehen. Männer hingegen haben da nicht sehr viel Spielraum. Daher sollte Mann für gute Stoffe und echte Qualität ein wenig mehr ausgeben. Nach dem stressigen Weihnachtseinkauf muss Mann sich aber nicht gleich wieder in die nächste Shopping-Tour stürzen. Schließlich werden viele tolle Angebote (und vor allem viele Schnäppchen) auch im Internet angeboten. So kann Mann sich bequem von der Couch aus durch das Sortiment klicken und in Ruhe von Unterwäsche, über Anzüge bis hin zu Accessoires alles was das Herz begehrt (oder was die Liebsten einem nahe gelegt haben) shoppen.

Neue Garderobe, neues Lebensgefühl!

Wie ein Bürgermeister aus dem Rheinland mit Stil- und Respektfragen umgeht.

In der Düsseldorfer Ausgabe der Bild-Zeitung gab es dazu folgenden Beitrag:

Hier geht es zum Beitrag

Herr A. Ch. schrieb mir am 22. August 2013

Betreff: Begrüssungsfrage

Sehr geehrter Herr Fenner,

Ihr Buch ‘Erfolgreich mit Stil’ hat mir ausnehmend gut gefallen. Es beantwortete viele meiner Fragen.

Doch eine Problematik ist für mich noch ungeklärt: Wenn meine Frau und ich ein anderes, uns persönlich nicht bekanntes Paar besuchen, wer reicht wem bei der Begrüssung zuerst die Hand. Es würde mich freuen, wenn Sie mir den sonst so selbstverständlichen Vorgang erklären könnten, so dass er unfallfrei abläuft.

Mit freundlichem Gruß,

A. Ch.

 

Meine Antwort am 26. August 2013

Sehr geehrter Herr Ch.,

Ihre Frage ist nicht einfach zu beantworten; denn diese Situation gibt es kaum im guten gesellschaftlichen Leben, eher schon im geschäftlichen. Wann besuchen Sie mit Ihrer Frau unbekannte Personen. Und wenn Sie jemanden besuchen, weil Sie sich mit Ihrer Frau z.B. als neuer Mieter oder Miteigentümer beispielweise Ihren Ihnen noch unbekannten Mitbewohnern vorstellen wollen und einfach klingeln: Es öffnet doch normalerweise nur eine Person die Entré-Tür. Ist es eine Dame gehen Sie als beschützender Ehemann der Nachbarin entgegen, ein paar Schritte vor Ihrer Frau, machen eine kleine Verbeugung, stellen sich vor mit den Worten, „A. Ch., Guten Tag, ich komme mit meiner Frau Elisabeth, die ich Ihnen hiermit gleichzeitig vorstellen darf. Wir wohnen seit 3 Tagen eine Treppe über Ihnen, und ich möchte uns doch gerne bei den anderen Bewohnern dieses Hauses bekannt machen.” Während Sie diesen Spruch machen, wird Ihnen eine gut erzogene Mitbewohnerin schon Ihre Hand reichen, zumal Ihre Frau ja in einigem Abstand hinter Ihnen steht. Falls die Nachbarin sich nicht gleichzeitig ebenfalls vorstellt, werden Sie  -  indem Sie die dargebotene Hand der Nachbarin zum Gruße schütteln  -  sagen, “Sie sind sicher Frau Andersen, guten Tag, und das ist meine Frau Elisabeth  -” und, indem Sie sich Ihrer Frau zuwenden, “Elisabeth, das ist unsere Nachbarin über uns, Frau Andersen.” Und Ihre Frau gibt der Frau Andersen die Hand.

Öffnet der Mann die Tür, passiert das Gleiche. Dass beide an der Tür stehen, ist unrealistisch. Das passiert nur, wenn Sie und Ihre Frau als Gäste erwartet werden, und dann kennen Sie sich ja.

In dem für mich im Moment eigentlich gar nicht richtig denkbaren theoretischen Fall, dass Sie mit Ihrer Frau spontan auf ein Ehepaar treffen, das Sie begrüßen und dem Sie sich vorstellen wollen, vielleicht auf dem Golfplatz, wo vor Ihnen solch ein Paar spielt, in dessen Nähe Sie zufällig geraten, ergreifen Sie als Mann die Initiative. Sie gehen, wie im Nachbarschaftsfall oben, auf das Paar zu und sprechen denjenigen Teil an, den Sie als erstes erreichen. Ist es die Frau, stellen Sie sich  -  genau wie oben erwähnt vor, begrüßen die Dame ähnlich wie vorerwähnt, indem Sie auch Ihre Frau vorstellen  -  immer hoffend, dass die unbekannte Dame auch ihren Namen nennt, und begrüßen anschließend den Mann. Sind die beiden stur und nennen sie nicht ihre Namen, sollten Sie versuchen, diese durch liebenswürdiges Nachfragen zu erfahren: „Wir sind uns  -  glaub‘ ich  -  auf diesem Golfplatz noch nie begegnet. Ich bin, wie erwähnt, A. Ch., und das ist meine Frau Elisabeth. Darf ich, damit ich Sie auch richtig anreden kann, nach Ihren Namen fragen . . . .?“

Die beste Vorstellung geschieht immer durch einen Dritten, der beide Paare kennt. Deshalb würde man auf dem Golfplatz vielleicht einen Freund, von dem man weiß, dass er fast alle Mitglieder kennt, bitten: „Du kennst doch sich die beiden, die da drüben gerade am Abschlag stehen. Kannst Du meine Frau und mich bitte mal mit diesen Golfern bekannt machen?“ Dann stellt der Dritte alle miteinander vor  -  die eleganteste Lösung.

Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner

Frau Meike B. schrieb mir am 12.8.2013

Betreff: Einladung Herbstfest – Blazer/Jackett

Sehr geehrter Herr Fenner,

im Herbst sind mein Partner und ich zu einer privaten Feier (ab 19 Uhr) bei einer sehr angesehen Familie mit großem Anwesen eingeladen. Gäste werden auch Graf/Gräfin und diverse andere Adlige sein.

Als Dresscode ist angegeben: Blazer/Jackett. Auf der Suche nach einem passenden Outfit, bin ich auf Ihrer Seite gelandet. In Ihrem Blog hattten Sie am 01.12.2008 ausführlich erläutert, was der Herr bei diesem Dresscode tragen sollte. Doch leider konnte ich nirgends eine Antwort finden, welches Outfit die Dame hierzu passend wählen sollte.

Es wäre äußerst freundlich, wenn Sie mir hierzu noch eine Empfehlung geben könnten. Ich wäre in diesem Rahmen sehr ungern unpassend gekleidet.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Meike B.

Meine Antwort am selben Tage:

Sehr verehrte Frau B.,

das ist das Schicksal der Damen der “guten Gesellschaft”, dass ihr Dresscode auf stilvollen Einladungen nicht benannt wird. Dieser richtet sich nach dem Mann. Zwar ändert sich das allmählich mit der in vielen anderen Feldern des zwischenmenschlichen Zusammenseins inzwischen schon abgeschlossenen Emanzipation der Frau. Aber in diesen Kreisen, in welchen Sie jetzt eingeladen sind, pflegt man doch eher die konservative Note. Diese besagt, die Dame wird nicht bloßgestellt in der Gesellschaft, sie darf alles, aber macht das natürlich alles nicht, was sie dürfte; denn sonst wäre sie keine Dame. Also wird der beschützende Herr sich um sie kümmern. Sie steht deswegen z.B. nicht schutzlos als erste auf dem Briefcouvert, also wird ein Brief an Sie und Ihren Mann  -  nach konservativer Sitte  -  nicht adressiert an Frau Meike und Herrn Adalbert B, sondern an Herrn und Frau Adalbert B. oder (offizieller, aber auch ein Bisschen spießig) an Herrn Adalbert B. und Frau Gemahlin. Innen, wo es kein Außenstehender mehr sehen kann, beginnt man freilich mit der Dame: „Liebe Meike, lieber Adalbert“, oder „Hoch verehrte, liebe gnädige Frau, lieber Herr B.“ Das heißt nicht etwa, dass man die Damen nach alter Schule nicht beachtet. Im Gegenteil, sie werden nur geschont. Ihr Ehemann sollte nun also einen Blazer tragen oder  -  ganz allgemein (z.B., wenn er keinen hat) zumindest ein Jackett. Das ist eine Empfehlung der Gastgeber, und es ist vornehm, sich nach dieser Empfehlung zu richten. Schließlich macht es auch dem Gast mehr Freude, ähnlich angezogen zu sein wie die anderen Gäste, nicht underdressed, aber auch nicht overdressed.  Sie sind mit Ihrem Mann eingeladen, und nun stimmen Sie sich ab, was Sie beide tragen. Die Ehefrau passt ihre Garderobe der seinen im Stil und Charakter an. Trägt er einen dunkelblauen Blazer (dieser ist im Allgemeinen gemeint bei dieser Dresscodeempfehlung), so ist das im klassischen Sinne eine nachmittags und/oder abends zu tragende, gute, stilvolle Freizeitkleidung. Entsprechend ziehen Sie sich an, ein Cocktailkleid wäre nicht schlecht. Ein frisches sommerliches Kostüm, vielleicht aus Popeline oder Seide, geht auch. Ein entsprechender Hosenanzug heutzutage natürlich auch. Auf jeden Fall wird ein kurzes Kleid getragen, wenn Sie das Kleid bevorzugen. Wenn Sie Rock und Bluse oder Hose und Bluse vorziehen, müssen diese Kleidungsstücke schon recht elegant und von gutem Stoff sein. Dann geht auch das. Sollte Ihr Mann keinen dunklen Blazer haben oder denselben nicht tragen wollen, ist auch Ihre Kleidung ein Bisschen „drunter“.

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

“Ich bin adlig”!?

Juli 31, 2013

Frau A.S. schrieb mir am 30.7.2013

Sehr geehrter Herr Fenner,

es geht um folgende Frage, die doch reichlich Verunsicherung auslöst: ein junger Mann sagt im Laufe des Gesprächs einer jungen Dame, er sei adelig. Wie soll sie reagieren? Einfach weglächeln? Das tat sie, er ist nun beleidigt.

Diese Frage stellte ich schon einem älteren Herrn adeligen Standes, der es wissen muß. Nun, er echauffierte sich ob dieses Angebers und meinte, es gehöre sich nicht für einen jungen Mann eine junge Dame in diese Situation zu bringen, denn sie habe keine Möglichkeit angemessen zu antworten – entweder sie verliert augenblicklich den Verstand und träumt vom Prinzen auf dem weißen Pferd und verhält sich wie ein kreischender Groupie, was eindeutig die falsche Reaktion ist. Er hat dann leichtes Spiel, sollte er es darauf angelegt haben. Oder sie kommentiert es mit einem “Ach ja?”, was leicht schnippisch rüberkommen kann, was auch nicht zu empfehlen ist. Oder sie schweigt dazu, was von ihm als arrogant interpretiert werden kann. Egal, wie man es dreht und wendet, sie befindet sich auf Glatteis. Was soll sie also tun?

Was meinen Sie?

Herzliche Grüße

A. S.

Meine Antwort am 31.7.2013

Sehr verehrte Frau S.,

die Träger von Adelsnamen sind auch nicht mehr das, was Sie früher mal waren. Der von Ihnen befragte ältere Herr adeligen Standes (das gibt’s ja eigentlich nicht mehr, nur noch adeligen Namens) hat ja so recht! Er jedenfalls weiß, was sich gehört und was nicht, und deswegen kann ich ihm nur in allen Punkten beipflichten. Natürlich, sie hätte sagen können, „ach, das wusste ich nicht Herr von Soundso, so klingt ja Ihr Name noch edler“. Aber es geht mir hier weniger um die junge Dame und um die Frage, wie sie auf eines schnöselige Bemerkung vornehm reagiert. Es geht entschieden mehr um das reichlich dämliche Benehmen des jungen Mannes, der es offensichtlich für nötig hielt, mit seinem „von“ anzugeben. Das macht man eleganter. Feine Leute, die einen Adelstitel oder auch nur ein „von“ vor ihrem Namen führen, stellen sich  -  zumindest in einem Kreis gesellschaftlich gleich- oder ähnlichrangiger Personen nicht mit „von“ vor. Ein Carl von Heyne würde sich mit „Heyne“ vorstellen oder auch mit „Carl Heyne“, nur auf die Frage, „wie heißen Sie eigentlich“, insbesondere, wenn diese Frage von einer Amtsperson gestellt wird, würde er antworten, „mein Name ist Carl von Heyne“.

Eine gute gesellschaftliche Regel ist, dass möglichst ein Dritter, der beide Personen, die einander noch nicht kennen, vorstellt. Diese Art des miteinander Bekanntmachens ist der Eigenvorstellung immer vorzuziehen, wenn sie möglich ist. Das ist ja in der Gesellschaft in der Regel der Fall. Dann sagt etwa einer, der sowohl die junge Dame, als auch den jungen Mann kennt, zunächst zur Dame, „darf ich Ihnen Herrn von Heyne (oder darf ich Ihnen Carl von Heyne) vorstellen?“, und sofort zu Letzterem, „Herr von Heyne (oder Carl), das ist Dorothee Müller, eine Kollegin in meiner Firma“ o.ä. Es ist also leicht, von vornherein die Verhältnisse zu kennen, wenn wie häufig ein kundiger Dritter das Bekanntmachen übernimmt. Wenn er das nicht tut, kann man ihn durchaus auch dazu ermuntern: „Lieber ‚Dritter‘, könntest Du mich mit Deinem Begleiter bekannt machen?“ . . . .

Dass sich zwei völlig miteinander Unbekannt treffen und sich selber vorstellen, ist ja  -  außer im Geschäftsleben  -  verhältnismäßig selten. Menschen, die gesellschaftlich guten Umgang haben, kennen ohnehin viele Adelsnamen, wie Arnim, Stauffenberg, Bülow oder Bismarck. Wenn sich also einer mit, „Guten Tag  -  Arnim (oder guten Tag, Martin Arnim)“ vorstellt, dann wissen viele, das es sich höchstwahrscheinlich um einen Herrn von oder um einen Grafen handelt und erwidert entsprechend. Heißt er Heyne, trägt er also einen Allerweltsnamen, den man u.U. sowohl als Adelsnamen mit „von“, als auch als bürgerlichen Namen kennt, empfehle ich eine charmante Nachfrage, die nie verletzt: „Herr von Heyne?“

Der junge Adlige hätte sich lieber etwas zurückhalten sollen und sich ruhig gefallen lassen sollen, mit „Herr Heyne“ oder, wie unter jungen Leuten noch eher üblich, mit „Carl“ ansprechen lassen sollen. Erst wenn es zum Adresstausch gekommen wäre, hätte er sagen dürfen, „also mein vollständiger Name ist Carl von Heyne“, oder er hätte dem jungen Mädel seine Visitenkarte überreicht. Zum Beleidigtsein besteht für ihn jedenfalls überhaupt kein Grund. Er sollte lieber ein Bisschen mehr Demut zeigen.

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

. . . unter dieser Rubrik schreibt die WELT-Redakteurin Dr. Hildegard Stausberg gelegentlich Kolumnen u.a. zu Themen, die irgendwie mit dem Ausland zu tun haben. Hildegard Stausberg war jahrelang bei der FAZ, sowohl in Frankfurt als Redakteurin für die Länder Südamerikas, als auch in verschiedenen südamerikanischen Ländern als Auslandskorrespondentin tätig, bevor sie zur Deutschen Welle wechselte, zuletzt als Chef für die Auslandsprogramme. Seit 1999 ist sie für die Tageszeitung DIE WELT tätig, zunächst in Berlin als Ressortleiterin Außenpolitik, seit 2001 als Diplomatische Korrespondentin von ihrer geliebten Heimatstadt Köln aus.

Hier ihre Kolumne in der Welt vom 22.7.2013:

Von Hildegard Stausberg

„Das Wetter spielte mit: kein Regen und wenig Hitze. Das machte das Manko ein bisschen wett, dass der französische Nationalfeiertag diesmal auf einen Sonntag fiel. Im politischen Berlin führte dies dazu, dass ein Teil derjenigen, für die das sonst ein Pflichttermin gewesen wäre, nicht dabei waren. Trotzdem füllten sich die Räume der modernen Botschaft am Pariser Platz plus Garten gut. Das Datum steht immer noch für eine geschichtsmächtige Einmaligkeit: die Erstürmung der Bastille 1789. Maurice Gourdault-Montagne, seit März 2011 Hausherr am Pariser Platz, verband deshalb in seiner in ausgezeichnetem Deutsch gehaltenen lauschigen Rede den “quatorze juillet” mit dem Fall der Mauer im November 1989: “Das ist in seiner welthistorischen Bedeutung das deutsche Pendant.” Merci beaucoup!

Erstaunt dürfte der eine oder andere ältere Gast gewesen sein, als der Botschafter nach der Marseillaise auch das Deutschlandlied anstimmte und mitsang. Das habe ich früher bei diversen Feiern auf Schloss Ernich, der alten Residenz der französischen Botschafter südlich von Bonn, nicht miterleben dürfen. Es wäre damals noch undenkbar gewesen.

Undenkbar wäre allerdings auch gewesen, dass Gäste mit offenem Hemd und ohne Krawatte zum offiziellen Empfang eines französischen Botschafters anlässlich des Nationalfeiertags gekommen wären. Aber diese Stillosigkeit setzt sich in der Berliner Republik immer mehr durch. Das ist an sich schon schrecklich genug. Aber bei den Germanen sind Steigerungen ja nicht nur denkbar, sondern die Regel. Und so gab es doch tatsächlich auch Männer (von Herren verbietet es sich da wohl zu sprechen), die in Jeans, Trikothemden und T-Shirts aufkreuzten, also in einem “Freizeitlook”. Erschwerend kommt hinzu, dass manche dieser Gestalten auch noch übergewichtig waren, sich unter den Hemdchen also auch diverse Speckrollen – nicht Röllchen – abzeichneten. Schrecklich.

Wie kann man so auf einen offiziellen Botschaftsempfang gehen, wo man doch eigentlich – aus gegebenem Anlass – zumindest passabel auftreten sollte. Von “bella figura” redet man in Berlin ja schon seit Langem nicht mehr. Merken diese Leute eigentlich nicht, wie absolut respektlos das alles ist? Ganz abgesehen davon, dass sie sich selbst miserabel präsentieren. So geht es nicht weiter. Wir brauchen in Berlin schleunigst eine Stildebatte.

Die Autorin ist Diplomatische Korrespondentin der “Welt”-Gruppe“

Zu dieser Kolumne habe ich einen Leserbrief an die Welt geschickt:

Leserbrief an DIE WELT forum@welt.de

Zum WELT-Artikel von Hildegard Stausberg: „Stillose Berliner Republik“   -  DIE WELT v. 22.7.2013

Liebe WELT-Redakteure,
es ist gut, dass sich ein Journalist, bzw. in diesem Falle eine schreibende Dame, dazu entschließt, den verlotterten Berliner Kleidungsstil hier einmal anzuprangern. Denn es ist keineswegs so, dass die Art sich zu kleiden jedem Menschen ja seine individuelle Note gibt, weswegen er sich keinerlei Zwängen unterwerfen sollte. Die Generalklausel des guten Umgangs mit den Mitmenschen ist: Jeder sollte sich seinen ihn umgebenden Mitmenschen gegenüber so verhalten, dass er letztere nicht durch beleidigende Worte, üble Gerüche, angsterregende Gesten oder unangenehme visuelle Erscheinung bepeinlicht. Das ist nicht Mainstream. Poltical Correctness auch nicht. Schon gar nicht die insbesondere seit den 68er Jahren immer wieder gepredigte Selbstverwirklichung  -  das peinliche, bequeme und egoistische Gegenteil von Respekt. Das höchste Gebot des guten Benehmen ist aber gerade der Respekt vor jedermann, auch vor der Klofrau und natürlich auch vor dem Französischen Botschafter und denjenigen Nationalfeiertagsgästen, die  -  um diesen zu ehren und der Würde des geschichtsträchtigen Ereignisses angemessen zu entsprechen  –  in angemessener Kleidung zum Empfang kommen. Das ist zumindest bei Herren ein Anzug oder eine Kombination mit Hemd und Krawatte, geschlossene Schuhe und Strümpfe.

Aber viele Berliner glauben vor allem an sich selber und sind der Meinung, dass das alles alte Zöpfe sind und dass man auch in wegen zu häufigen Tragens in Imbissbuden schon nach ranzigem Öl riechenden Shorts in Military-Tarn-Look kommen kann und dass Kleidung überhaupt nie eine Rolle spiele; Denn das, was Frau Dr. Stausberg in der Französischen Botschaft beobachtet hat, ereignet sich ja genau so beim Gartenfest des Bundespräsidenten. Aber bloß nicht solche Unarten kritisieren, denn diese Menschen haben vielleicht keinen Sakko zum anziehen, und daran soll doch ihre Freude am Nationalfeiertag nicht leiden. Es ist eben nicht nur die stillose Berliner Republik, es sind wir stillosen Menschen. Zeigen wir doch mal die vom Bundespräsidenten geforderte Zivilcourage: Sie würde darin bestehen, einen Wärter beim Eingang zu solch ehrwürdigen Gedenk-Veranstaltungen nicht nur als Gästelisten-Abhaker zu installieren, sondern diesen gleichzeitig vermerken zu lassen, wer in angemessener und wer in einer Kleidung erscheint, die eher für eine Radtour zum Badesee geeignet (und bestimmt) erscheint, damit Gäste, die dem Gastgeber und dem Gedenkereignis den Respekt verweigern, für die Zukunft aus der Gästeliste gestrichen werden.

Allerdings tragen die Veranstalter solch bedeutender Events auch eine Mitschuld. Es gibt nämlich (besonders in Berlin) inzwischen viele, die gar nicht mehr wissen noch empfinden, wie respektlos sie sich allein schon wegen ihrer Kleidung verhalten. Wenn sie dann noch seine Exzellenz den Botschafter mit der linken Hand in der Hosentasche begrüßen . . . . . au weia. Deswegen rate ich, auf die Einladung eine Kleidungsempfehlung, hier zum Beispiel etwa „Dunkler Anzug“ oder „Straßenanzug“ zu vermerken.

Liebe Redakteure der WELT, nehmen Sie sich ein Beispiel an Hildegard Stausberg und verhelfen auch der Berliner Republik wieder zu mehr Stil!

Uwe Fenner ist Jurist, Immobilienmakler, Stilexperte und Buchautor, u.a. „Erfolgreich mit Stil  -  Der Knigge für alle Lebenslagen“, Linde Verlag, Wien.

Mit freundlichen Grüßen,

Uwe Fenner

Abathon Knigge & Karriere GmbH

Die Anzug-Trends für die aktuelle Saison 2013

Figurbetontes für den Mann

Anzüge sind und bleiben ein elegantes Kleidungsstück, das man in der richtigen Kombination insbesondere zu Abendveranstaltungen jeglicher Art und ebenso im beruflichen Alltag tragen kann. Wie es jedoch in der Modebranche im Allgemeinen üblich ist, gibt es immer wieder Farben und Schnitte, die häufiger getragen werden als andere. Damit die aktuellen Trends auch an Ihnen nicht unbemerkt vorüberziehen, finden Sie hier die wichtigsten Stilrichtungen im Überblick.

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Figurbetontes für den Mann

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Herr Robert G. will nächstes Jahr heiraten und schrieb mir:

Betreff: Anfrage zur korrekten Kleidung bei der eigenen Hochzeit

Sehr geehrter Herr Fenner.

Im Internet bin ich beim Suchen auf Ihre Seite gestossen. Sie geben Rat bzgl. der korrekten Hochzeitsgarderobe und ich habe Ihren Kommentar mit Interesse gelesen.

Nach Lektüre Ihres Ratschlags bleibt bei mit noch eine Frage offen und ich hoffe, dass Sie mir helfen können.

Ich heirate im Mai nächsten Jahres, die Trauung findet um 15.30 statt und ist kombiniert mit der Taufe unserer Tochter. Der kirchliche Akt wird gegen 17.00 vorbei sein (mit Auszug und Gratulation rechne ich damit, dass es bis ca. 17.30 h geht) und im Anschluss soll sich die Hochzeitsgesellschaft zum Nahe gelegenen Restaurant begeben, wo wir ab 18 Uhr zum Aperitif, Essen und Fest einladen.

Sie schrieben in Ihrem Kommentar, dass ein Frack/Smoking ausnahmsweise geht, wenn die Trauung am Nachmittag ab ca. 16 Uhr stattfindet und es im Anschluss zum Fest direkt weitergeht.

Sehen Sie es in meinem konkreten Fall als angebracht an, bereits zur Kirche den Smoking zu tragen oder soll ich mich bemühen zwischen Trauung und Fest noch ein Zeitfenster zum Umziehen zu finden?

Was raten Sie mir bezüglich meiner Garderobe, sowohl zu Trauung und Fest.

Ich danke Ihnen sehr herzlich und hoffe, dass Sie Gelegenheit finden, mir zu antworten.

Mit herzlichen Grüssen,

Robert G.

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr G.,

das ist zeitlich so ein Grenzfall. Aber Sie sollten sich nur dann zwischen Hochzeitsempfang nach der Kirche und abendlichem festlichen Dinner umziehen, wenn auch die anderen Gäste dazu Gelegenheit hätten, also zwischendurch nach Hause oder in ihre Hotelquartiere fahren könnten. Dann müssten Sie aber auch auf der Einladungen zum „Empfang“, der der kirchlichen Trauung folgt, einen anderen Dresscode angeben (nämlich beispielsweise “Dunkler Anzug” oder “Cutaway / dunkler Anzug“) als auf der Einladung zum “Dinner anlässlich unserer Hochzeit”, wo dann als Kleidervorschlag “Smoking / dunkler Anzug” oder “Frack, Smoking, dunkler Anzug” vermerkt sein sollte. Das geht aber nur, wenn zwischen dem Ende des Empfangs und dem Beginn des Dinners genügend Zeit zum Hin- und Herfahren und zum Umziehen bliebe.

Also entweder: Alle haben Gelegenheit, sich umzuziehen, oder es gibt nur einen Anzug für beide Teilveranstaltungen Ihrer Hochzeit, für Kirche und nachkirchlichen Empfang einerseits und für das Hochzeitsdinner andererseits. In diesem letzteren Fall kann das dann ruhig auch um 15:30 Uhr schon der Abendanzug sein, also der Frack oder der Smoking. Bei den Festspielen in Bayreuth ziehen die Festspielgäste auch schon um 15 Uhr ihren Smoking an für die Opernvorstellung, die um 16 Uhr beginnt und um 23 Uhr endet.

Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner