Frau A. S. schrieb mir via Facebook:


Sehr verehrter Herr Fenner,

ich hoffe es ist in Ordnung, dass ich Sie hier mit einer Frage behellige. Aber etliche Diskussionen mit Freunden und Bekannten haben eher mehr Verwirrung gestiftet, als Licht ins Dunkel zu bringen. Daher hier meine Fragen mit der Bitte um Ihre Hilfestellung:

1. Ich gehe mit einer Freundin in die Oper. Was ziehe ich an? Ich bin 25 Jahre alt und habe etliche Dinge im Kleiderschrank: Vom Hosenanzug über das klassische Etuikleid bis hin zum langen Abendkleid. Haben Sie vielleicht eine Empfehlung?

2. Im Juli heiratet eine Freundin von mir. Sie feiert abends im heimischen Garten. Auf meine Rückfrage bezüglich der Kleiderordnung bekam ich die Antwort: festlich und so, als wenn man ins Theater ginge. Was genau darf ich darunter verstehen, bzw. - auch hier, was ist Ihre Empfehlung?

Ich danke Ihnen vorab für Ihre Hilfe und sende viele Grüße aus Berlin

A. S.

Meine Antwort:

Sehr verehrte Frau S., liebe A.,

bei der Oper kommt es darauf an.
1. In welcher Stadt gehen Sie ins Opernhaus?
2. Ist dieser Opernabend Teil eines Festspielzyklus?
3. Handelt es sich um einen Premierenabend?

Generell kann man sagen, dass das Opernpublikum in Berlin sich besonders schlecht anzieht. Hier sieht man selbst bei einer Premiere zum Beispiel im Rahmen der Opernfestspiele in der Staatsoper Unter den Linden selten einen Smoking oder ein langes Abendkleid und wenn, dann ist der Träger ein höflicher Diplomat aus einem fernen Land, der das Gastland Deutschland damit ehren will und die lockeren Sitten in Berlin noch nicht so recht kennt. Eigentlich schade.

Ich nehme mal an, dass Sie nicht zu einem Opernabend gehen, der im Rahmen von Festspielen stattfindet. Denn bei den Bayreuther Festspielen und auch den Salzburgern, Baden-Badenern und Münchner Festspielen sind Smoking und langes Abendkleid Standard. In Verona nur im Innenraum und vorne in der Arena, ansonsten durcheinander. In Glyndebourne nahezu Pflicht. Ich nehme ferner an, dass es sich bei Ihrem Opernabend nicht um eine Premiere handelt; denn das Premierenpublikum zieht sich im Allgemeinen etwas besser an.

Wenn also meine Annahmen richtig sind: erstens Berlin, zweitens keine Festspiele, drittens keine Premiere, dann können Sie (leider) gar nichts falsch machen, wenn Sie einigermaßen schlicht gekleidet sind. Da passt von Ihrer angebotenen Kleiderauswahl sowohl das Etuikleid, das ich empfehlen würde, als auch der Hosenanzug. Aber Sie dürfen bitte nicht verzweifeln, wenn Sie so manchen Opernfan mit kaputten Jeans und mit Rucksack (!) im festlich-(neo-)barocken Publikumsraum sichten.

Wenn Sie noch keinen Begleiter haben  -  ach nein, aufdrängen, das tut man natürlich nicht  -  aber ich kann Ihnen bestimmt eine Menge Wissenswertes zur Oper sagen :-)

Jetzt noch zur Kleiderfrage zu der Hochzeit. Da kommt es natürlich auch auf das Wetter an. Ich würde an Ihrer Stelle ein langes Kleid tragen, jedenfalls dann, wenn Sie in Begleitung eines Herrn erscheinen, der einen Smoking trägt. Manche Herren haben für Gartenfeste und Feste auf dem Schiff und auch für sehr heiße Abende im Festspielhaus einen weißen Smoking. Beim weißen Smoking  -  das nur zur Erläuterung  -  ist nur das Jackett weiß, und auch das ist nicht richtig weiß, sondern eher „ecrú“, sonst ist alles wie bei dem ganz normalen schwarzen Smoking, Hose, Weste, Fliege etc. Zu solch einem festlichen Herrenoutfit passt auf jeden Fall ein festlich-langes Sommerkleid, das Sie, wenn’s abends kühler wird, um ein großes Seiden- oder Kaschmirtuch (für eine Pelzstola sind Sie noch zu jung, das wäre zu aufgesetzt) ergänzen können. So würde ich dort auch erscheinen, wenn Sie alleine hingehen. Falls Sie jedoch mit einem Begleiter dorthin gehen, der nur einen Anzug (schick wäre dann für ihn ein schwarzer Anzug aus Popeline oder aus einem Stoff mit sehr viel Seidenanteil) trägt, ist Ihr Etuikleid auch dort richtig. Der Hosenanzug ist besser fürs Business geeignet.

Viel Spaß und herzliche Grüße,

Uwe Fenner

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Herr P. schrieb:

Sehr geehrter Herr Fenner,

eine kurze Frage zum Thema Cut: trage ich den Cut geschlossen oder (wie den Frack) stets geöffnet?

Ich danke Ihnen schon jetzt für die Antwort.

Mit freundlichen Grüßen aus Lübeck

gez. M. P.

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr P.,

der Frack ist nicht zuknöpfbar. Er MUSS stets offen getragen werden. Sein taillenbetonter Schnitt und die langen Rockschöße sorgen dafür, dass er trotzdem immer gut sitzt und gut aussieht.

Der Cutaway wird - wie ein normaler Anzug - zugeknöpft, sobald man sich erhebt. Im Sitzen offen - im Stehen und Gehen an dem einzigen Knopf vorne stets zugeknöpft.

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

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Ein alter Freund von mir, der als Deutscher schon lange als Anwalt in Houston arbeitet, schrieb mir:

Lieber Uwe,

H. und ich sind Mitglieder des American Council on Germany.  Bei internationalen Veranstaltungen wird Englisch gesprochen.  Außerdem nennt man sich, wie unter Amerikanern üblich, beim Vornamen.

Wie soll man sich verhalten, wenn man mit deutschen Mitgliedern zu tun hat, die man nicht näher kennt?  Von einem Duz-Comment ist nicht auszugehen, oder?

Herzlichst,

Dein H.

Meine Antwort:

Lieber H.

ich freue mich immer, wenn ich von Dir höre. Zu Deiner Frage:

In solch international gemischten Business-Gesellschaften stellen sich die Amerikaner ja schnell mit ihrem Vornamen vor. Du bist ja nun mal ein kultivierter Deutscher (womit ich keineswegs sagen will, dass amerikanische Businessmen unkultiviert sein müssen. Das trifft sicher sogar eher auf deutsche Manager zu), aber weil Du Deutscher bist, kannst Du Dich auch ein bisschen deutsch benehmen. Und weil Du ein (in USA lebender und dort arbeitender) Deutscher bist, würde ich mich sowieso immer mit Vor- und Nachnamen vorstellen. Dann kannst Du Dich immer auf die anderen einstellen. Zu Amerikanern sagst Du eben, wie immer, „Bill“ und „You“. Zu den Deutschen im Zweifelsfall „Hans“ und „Sie“, es sei denn, der Deutsche hat bei der Selbstvorstellung nur seinen Nachnamen („Guten Tag  -  Müller“) genannt, dann „Sie“!

„Du“ würde ich nie sagen, bevor dieses nicht ausgemacht ist. Ich würde Dir aber raten, mit dem Hinweis, „in diesem internationalen Umfeld ist ja der Vorname üblich, dann sollten wir uns eigentlich ruhig gleich duzen“, das „Du“ zumindest den Dir besonders sympathischen jüngeren Deutschen anzubieten. Das „Du“ ist in Deutschland (leider?!) sehr im Vormarsch und unter Menschen bis zum ersten Job nach der Hochschule schon absolut üblich geworden.

Lass auch weiter von Dir hören und lass Dich, wenn Du in Berlin bist, unbedingt sehen

Lass es Dir gut gehen und sei herzlich gegrüßt,

Dein

Uwe Fenner

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Adelsanrede

Mai 12, 2010

Herr J.S. schrieb:

Sehr geehrter Herr Fenner,

auf Ihrer Website, die ich heute besucht habe, fand ich einen interessanten Austausch über die korrekte Adelsanrede. Wollen Sie mir dazu einige Bemerkungen erlauben?

1) Das Prädikat “Herr”/”Frau” dürfte doch meines Wissens in folgenden Fällen in der brieflichen Adresse zur Anwendung kommen:

a) bei souveränen & mediatisierten Häusern für die Gemahlinnen & weiblichen Agnatinnen.

Bsp:

Seiner Erlaucht

dem Regierenden Grafen von Schönburg-Glauchau

Ihrer Hoheit

der regierenden Frau Gräfin von Schönburg-Glauchau, geborene Prinzessin von Hessen-Kassel

Ihren Durchlauchten

dem Fürsten und der Frau Fürstin Reuß

Ihrer Durchlaucht

der Frau Prinzessin XY von Waldburg-Zeil

(aber: Seiner Durchl. dem Prinzen XY von Waldburg-Zeil)

b) Dasselbe auch bei den Gemahlinnen landständiger Fürsten und Herzöge (womöglich auch bei den Titelherren selbst, da nicht regierend?).

Bsp.:

Ihrer Durchl.

der Frau Fürstin Bismarck

2) Die Abkürzung “v.” für “von” dürfte strenggenommen bei souveränen/mediatisierten Titulierte nicht in Anwendung kommen, da ihre Titel ursprünglich landesherrliche Souveränität anzeigen, ebenso wenig wie die Weglassung des Prädikats vom Grafen aufwärts. Also “Fürst von Waldburg-Zeil” oder “Graf von Schönburg-Glauchau” (auch “Freiherr von und zu Guttenberg”, da reichsunmittelbar), aber “Fürst (v.) Bismarck”, “Graf (v.) Arnim”, “Freiherr v. Plettenberg”.

3) Schließlich in offiziellen brieflichen Äußerungen dürfte das “Herr” vor den Titel von Souveränen/Mediatisierten bis zum Großherzog aufwärts (aus Courtoisie auch bei Landständigen vom Fürsten aufwärts) gestellt werden.

Ich bin mir allerdings in Vielem aufgrund widersprüchlicher Angaben nicht ganz sicher. Ihre Meinung interessiert mich also brennend!

Mit bestem Gruß,

Ihr K.S.

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr S.,

Ihre Anredefrage ist kompliziert, und ich würde nicht mehr so schreiben. Fast 100 Jahre nach amtlicher Abschaffung des Adels als Klasse oder Stand befinden wir Bürger uns zweifellos in der Position der gesellschaftlichen Gleichrangigkeit. Das heißt, wir respektieren die Besonderheit adliger Namen und die Gefühle ihrer Träger und gebrauchen bis zu einem gewissen Grade auch mit dem Namen zusammenhängende Anreden. Allerdings niemals solche, die Adelspersonen als wertig überlegen bezeichnen. Deswegen glaube ich, ist es richtiger, die Erlauchten und Durchlauchten wegzulassen.

Damit ergibt sich von alleine, dass ich Fürst und Fürstin Bismarck mit “Fürst und Fürstin Johannes von Bismarck” oder “Fürst Johannes v. Bismarck und Fürstin Edelgard v. Bismarck” adressiere, aber mit “Sehr verehrte Fürstin, sehr geehrter Fürst Bismarck” im Brief und mit “Guten Tag, Fürstin! - Guten Tag Fürst Bismarck!” live anrede.

Die früher vorgeschriebenen Anreden müssen selbst in diesen Dingen gebildete Adlige häufig dem Gotha entnehmen. Ich persönlich halte sie aber nicht mehr für zeitgemäß und damit potenziell sogar für ein bisschen unhöflich gegenüber den vermeintlich Geehrten, weil man sie - namentlich vor Dritten - unter Umständen mit diesen heute gekünstelt wirkenden Anreden bepeinlicht.

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

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Sehr geehrter Herr Fenner,

erlauben Sie mir bitte drei Fragen, wovon wenigsten die Fragen 1 und 2 auch von allgemeinem Interesse sein könnten:

  1. Ich erhalte eine Einladung zu einer Geburtstagsparty im privaten Freundeskreis mit dem Dresscode Hinweis „dunkler Anzug“. Kann oder sollte ich einen Smoking mit Lackschuhen bevorzugen oder doch nur einen dunkelgrauen Businessanzug. Beim Smoking könnte ich vielleicht als overdressed wirken, oder?
  2. Ist es grundsätzlich in Ordnung im Business Konfektionsanzüge zu tragen oder raten Sie grundsätzlich zur Maßkonfektion?
  3. Als gebürtiger Hamburger habe ich meinen Lieblingsherrenausstatter Staben in Hamburg. Da ich nun aber in der Nähe von Potsdam wohne und in Berlin arbeite stellt sich die Frage nach einem von Ihnen empfohlenen Ausstatter in Potsdam oder Berlin. Können Sie mir da weiterhelfen?

Für die Beantwortung bedanke ich mich schon im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

O. O.

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr O.,

es ist mir eine Freude, Ihnen zu antworten; wie Sie vielleicht wissen, habe ich schon einige Seminare für Ihr Unternehmen gegeben. Vielleicht buchen Sie mich gelegentlich für ein Seminar für die Mannschaft Ihrer Zweigniederlassung. Das würde mich sehr freuen. Referenzen gibt Ihnen insbesondere Herr M. J., der mit unterschiedlichen Mitarbeitern schon an zwei meiner Seminare teilgenommen hat.

Doch nun zu Ihren Fragen:

  1. Dresscode „Dunkler Anzug“ heißt dunkler Anzug. In diesem Fall läuft der Gast im Smoking Gefahr, der Einzige dort zu sein, der den „kleinen Abendanzug“, den Smoking trägt. Richtig ist bei diesem Dresscode ein dunkelgrauer, dunkelblauer oder schwarzer Businessanzug. Dazu gehören schwarze, wenig oder gar nicht gemusterte Schuhe und ein schwarzer Gürtel mit einer Metallschnalle in der Farbe Ihrer Uhr. Die Anzüge sind ungemustert. Sie können aber auch einen dunkelblauen Nadelstreifen-Anzug anziehen. Dazu bitte keine weiteren Streifen mehr. Einmal Streifen (Anzug oder Hemd oder Krawatte), nicht mehr! Weißes Hemd ist aber immer richtig, natürlich mit Manschettenknöpfen, ebenfalls in der Farbe von Uhr und Gürtelschnalle (Golduhr zu goldfarbener Gürtelschnalle und goldenen Manschettenknöpfe oder Silber/Stahl).
  1. Die Frage Konfektionsanzug oder Maßkonfektion oder Maßanzug kann man nicht generell beantworten. Wenn Sie eine Konfektionsfigur haben, liegen Sie mit Konfektionsanzügen manchmal sogar besser als mit handgeschneiderten Maßanzügen. Denn wenn eine große Anzugmarke ein Anzugmodell auf den Markt bringt, hat der beste Zuschneider, den es gibt, dabei mitgewirkt. Der Konfektionsanzug ist deshalb, wenn Sie auf sehr gute Stoffe achten, häufig schmissiger als Anzüge vom Schneider. Deshalb rate ich persönlich Herren, denen Konfektionsanzüge perfekt sitzen, zu diesen. Aber Achtung! Die meisten Herren achten nicht auf den richtigen Sitz im Rücken. Dort muss eine konkave Linie sichtbar werden, sonst lieber hinten etwas enger machen lassen! Manche Maßanzugträger lieben es, einen der Ärmelknöpfe aufzuknöpfen, um den anderen zu zeigen, dass man „made by measurement“ trägt. Denn die Knopflöcher bei Konfektionsanzügen sind keine echten Knopflöcher; sie sind zugenäht.

Wieder andere haben gerne hinter dem linken Revers eine Stofflasche und eine Schlaufe darüber, damit ihnen eine Lady eine Nelke oder Rose durchs Reversknopfloch stecken kann, die dann auch in dieser aufrechten Position hält und stehen bleibt. Das geht nur bei Maßanzügen, deren Knopflöcher eben wirklich Knopflöcher sind und bei deren Anfertigung man dem Schneider entsprechende Direktiven geben kann.

  1. Gute Herrenausstatter in Berlin sind Mientus und Patrick Hellmann. Bei Patrick Hellmann muss man allerdings besonderes Augenmerk auf die Stoffqualität richten. Manche günstigen Angebote sind sonst nur eine halbe Saison chic. Ein sehr guter Laden ist auch SÖR, eine Filiale von SÖR kennen Sie vielleicht aus Hamburg.

Auch Ihnen schöne Feiertage und

herzliche Grüße,

Ihr

Uwe Fenner

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Herr C. M. schrieb via Facebook:

Hallo Herr Fenner,
wir hatten eine Diskussion zum Thema Aufsichtsrat. Können Sie mir beantworten, wie man in einen Aufsichtsrat kommt?
Ansonsten wünsche ich ein schönes Wochenende und viele Grüße aus L.

C. M.

Meine Antwort via Facebook:

Sehr geehrter Herr M.,

es ist ganz einfach: Sie müssen nur von der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft oder von den Gesellschaftern einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die einen Aufsichtsrat unterhält, gewählt werden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner.

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Frau R.O. schrieb in meiner XING-Gruppe „Stil & Etikette“:

Am gestrigen Abend: Pures Erschrecken!! Was soll man dazu sagen… Da suggeriert einem das Fernsehen, dass das perfekte Dinner ein 3-Gänge-Menue mit 3,4,5 (?) wildfremden Personen ist. Und die 5 Minuten des Sehens haben gereicht um mich nachdenklich zu stimmen: wann ist ein Dinner perfekt??? Wie zeichnet sich das aus?? Wie viele Gänge beinhaltet ein perfektes Dinner - sind es vielleicht 5?? Natürlich ist es eine relativ subjektive Frage, da auch schon mal ein normales Abendessen unter bestimmten Umständen als “perfektes Dinner” durchgehen kann… ;-) Aber was meinen Sie dazu? Wann ist ein Dinner perfekt?

In Vorfreude auf ein reges Engagement,

R. O.

Darauf antwortete Frau K. innerhalb der Gruppe am selben Tage:

Hallo Frau O.,

interessant, Ihr Beitrag! Umso mehr, als diese Sendung in meinem Bekanntenkreis auch erstaunlich kontrovers diskutiert wird.

Mir persönlich ist ein gelungener Abend wichtiger als ein perfektes Dinner. Gelungen ist ein Abend(essen) dann, wenn sich alle Gäste und die Gastgeber darüber freuen, dass sie ZUSAMMEN diesen Abend verbringen konnten. Je nach Erwartungshaltung der Gäste kann der Grund dafür
- eine spannende Diskussion
- ein unglaublich gutes Essen
- eine herrlich laue Sommernacht
- ein spontan angesetztes gemeinsames Singen
oder vieles mehr sein.

Meines Erachtens ist ein wirklich “perfektes” Dinner kein angenehmes Dinner mehr. Ich denke da z.B. an Staatsempfänge.

Der Ansatz der Sendung “Ein perfektes Dinner” ist ein Wettbewerb unter Gästen und Gastgebern. Das Zusammensein wird sich also niemals wirklich angenehm gestalten. Und Perfektion kann höchstens der Gastgeber erlangen, nicht das Dinner, das ja wiederum vom Zusammenspiel aller Anwesenden lebt.

Sonnige Grüße aus Oberbayern

L. K.

Die Diskussion setzte sich bis heute fort . . . Meine Meinung zum „Perfekten Dinner“ im Fernsehen (17. Januar 2010):

Was ist ein „perfektes Dinner”? Kann ein Dinner überhaupt perfekt sein? Ist ein Staats”empfang” ein Dinner  (Vordiskutantin)? Und ist ein Staatsbankett per se steif? Kann etwas Geschmackloses “perfekt” sein?

Das sind alles Fragen, die hier aufgeworfen wurden.

Ich gehe mal davon aus, dass Menschen, die sich mit Stil und Etikette befassen, also die Mitglieder dieser Gruppe, das “perfekte (Fernseh-) Dinner” als geschmacklos ansehen. Das fängt beim Outfit der Teilnehmer an, setzt sich häufig beim gedeckten Tisch fort und gipfelt in den Tischmanieren der Beteiligten. Ich muss allerdings zugeben, dass ich erst ein einziges Mal eine Folge gesehen habe und allein daraus meine Eindrücke herleite. Ich habe mir seinerzeit vorgenommen, diese Sendung nie wieder anzuschauen. Diesem Vorsatz bin ich treu geblieben.

Trotzdem oder gerade deshalb würde ich gerne mit Ihnen über die oben aufgeworfenen Fragen diskutieren. Denn ich habe im vorigen Jahr eine Reihe von Tischgesellschaften gegeben, für die ich nicht das Prädikat “perfekt” aber doch die Wertung “so muss es laufen” in Anspruch nehmen möchte. Solche abendlichen Tischgesellschaften plane ich auch für dieses Jahr, sobald ich mein Vorhaben verwirklicht habe, nämlich ein klitzekleines Hotel übernommen haben werde.

Die gute Abendgesellschaft zum Dinner beginnt mit einem Drink im Stehen. Die Gäste, die zum Beispiel zu 19:30 Uhr eingeladen sind, treffen zwischen 19:35 und 20 Uhr beim Gastgeber ein. Der Gastgeber stellt jeden neuen Gast bzw. jedes Paar allen schon eingetroffenen Gästen vor, soweit sie sich nicht schon untereinander kennen. Jedenfalls begrüßt jeder jeden, und deswegen ist dieser ca. 30- bis 45-minütige Empfang auch grundsätzlich ein Stehempfang. Neben Wasser wird entweder ein Glas Sekt oder Champagner, eventuell ein Long-Drink, ein Sherry und/oder ein Glas Südwein angeboten. Gegen Ende dieses Vorabempfangs, wenn alle Gäste da sind, ergreift der Gastgeber kurz das Wort, nicht, um eine Rede zu halten. Das macht er später während der ersten Menüpause. Vielmehr begrüßen der Gastgeber oder die Gastgeberin, kurz bevor man sich zu Tisch begibt, die Gäste mit einer Kurzansprache, in welcher der Gastgeber gegebenenfalls noch ein paar “Regieanweisungen” gibt, wie etwa, dass man nun ins Nebenzimmer zum Essen gehe, dass die Herren sich um Ihre Tischdamen bemühen mögen, dabei verweist er auf den ausliegenden Sitzplan oder auf die auf der Kommode stehenden Tischführungskärtchen, und dass der Kaffee und der Digestif nach dem Essen zum Beispiel wieder in diesem Raum oder auf der Terrasse eingenommen würden.

Zu einer guten Tischgesellschaft gehört, dass der Gastgeber einen Dresscode festgelegt hat, nach welchem sich die Gäste bei der Wahl ihrer Garderobe richten. Das kann “smart casual” sein, dann tragen die Herren zum Beispiel im Sommer einen Popeline-Anzug und ein gutes Hemd mit offenem Kragen (ohne Krawatte), oder sie erscheinen in dunkelblauem, im Sommer auch im hellen Blazer, ebenfalls mit offenem Hemd und entweder einer grauen wollenen oder einer beigen Baumwollhose oder guten Jeans. Dazu, wie immer abends, schwarze Lederschuhe und Strümpfe, die dunkler sind als die Hose, im Zweifel schwarz.

Der Dresscode kann genauso heißen “Dunkler Anzug oder Blazer”. Da brauche ich nichts zu erklären. Der Dresscode kann natürlich auch heißen “Smoking” oder “Sommeranzug” oder “casual” ohne ’smart’, dann genügt das Polohemd. T-Shirts und Sandalen sind allerdings nie passend. Die Damen kleiden sich entsprechend. Der Dresscode wird nur für die Herren angegeben, die Damen wissen, was dazu passt.

Zum einigermaßen perfekten Dinner gehört auch, dass jeder Gast bzw. jedes Gastpaar etwas mitbringt. Das sind häufig Blumen, die man übrigens auch vorausschicken kann, was als besonders vornehm, weil gegenüber der Dame des Hauses höflich, wirkt. Das kann natürlich auch ein Buch, eine Flasche Champagner, ein Kistchen Wein oder etwas sein, was die Pfeifensammlung des Hausherrn ergänzt.

Zurück zum Ablauf. Am Ende des Begrüßungsempfangs bitten die Gastgeberin oder der Gastgeber in der oben erwähnten Form zu Tisch, und bei Tischgesellschaften ab 10 Personen stehen Tischkärtchen (an beiden Seiten beschriftet) mit dem Namen des jeweiligen Gastes über jedem Gedeck, denn es ist Sache der Einladenden, eine Tischordnung (Placement) festzulegen.

Die Damen setzen sich, die Herren bleiben höflicherweise stehen, bis die letzte Dame sitzt, und das Essen kann beginnen. Über das Essen selbst brauch’ ich nichts zu schreiben. Dass sich die Gastgeberin und der Gastgeber bemühen, etwas Wohlschmeckendes zuzubereiten, versteht sich von selber. Das gilt auch für die Weine, die neben dem immer vorhandenen Wasser gereicht werden.

Nette Gäste sind den Gastgebern mit lässiger Selbstverständlichkeit beim Servieren, Einschenken und Abräumen behilflich, und nette Gäste unterhalten sich mit ihren Nachbarn, insbesondere mit ihrer (rechts neben dem jeweiligen Tischherrn sitzenden) Tischdame gut.

Bei einer einigermaßen perfekten Tischgesellschaft ergreifen der Gastgeber oder die Gastgeberin nach dem ersten Gang das Wort, und einer von ihnen steht auf und hält eine Tischrede. Dieser Tischrede “antwortet” der Ehrengast (beim klassischen Placement ist das der Tischherr der Gastgeberin) nach dem zweiten Gang mit einer Dankesrede für die Gäste.

Der Café und der Digestif werden erst beim dritten Teil der Tischgesellschaft (erster Teil ist der Begrüßungsempfang im Stehen, zweiter Teil ist das eigentliche Essen), nämlich beim sich dem Essen anschließenden “gemütlichen Teil im Sitzen und Stehen” (After-dinner-get-together), je nach Lust und Laune, eingenommen.

Noch ein Wort zum Staatsbankett: Gutes Benehmen und Höflichkeit sind nur steif bei Menschen, die es nicht können. Der kultivierte Mann lässt seine gute Erziehung nie raushängen, vielmehr geht er lässig damit um. Dann aber ist gutes Benehmen wohltuend und charmant. Ich hatte einmal die Gelegenheit, Gast eines Staatsbanketts zu sein. Bundespräsident Herzog hatte den portugiesischen Staatspräsidenten und dessen Frau zum Galadiner ins Schloss Bellevue eingeladen. Nichts war daran steif. Ich habe selten so ein lustiges Abendessen mit witzigen portugiesischen Offizieren an meinem Tisch in prunkvollsten Paradeuniformen erlebt. Das Einzige, was an dem Essen steif war, war die hölzerne Rede unseres Bundespräsidenten, der peinlicherweise  -  im Gegensatz zu seinem portugiesischen Pendent, der das in Bezug auf Deutschland beredt tat, das Gastland auch nicht mit einem einzigen Wort lobte.

Zurück zum “Perfekten (Fernseh-) Dinner”: Alles, aber auch wirklich alles, was ich hier beschrieben habe und was ganz erheblich zum guten Gelingen, zum Amüsement und zum Genuss einer guten abendlichen Tischgesellschaft beiträgt, findet bei den lächerlichen Fernsehshows nicht statt. Es sind peinliche und ärmliche Zeugnisse von Unkultur.

Ihr Uwe Fenner.

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Herr W.N. aus Britz schrieb:

Sehr geehrter Herr Fenner,
ich habe gerade saisonbedingt mit großem Interesse Ihre Ausführungen zum Thema “Hut lüften” gelesen. Ich fragte mich, ob das noch zeitgemäß sei und ob es da nicht mittlerweile eine Modernisierung dieses Brauches gegeben habe. Aus Amerika (schon wieder) kennt man
doch die Geste der Texaner, kurz mit der Hand an den Hut bzw. die Krempe zu fassen, so als wolle man ihn lüften, um es dann aber dabei bewenden zu lassen. Das wäre eine Erleichterung im Umgang mit der Kopfbedeckung. Oder geht das bei uns so gar nicht?

Gruß aus Britz

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr N.,

nur Hand an die Krempe, also praktisch der lässige Soldatengruß, ist ein bisschen wenig. Gutes Benehmen heißt Achtung, Respekt und Freundlichkeit gegenüber den Mitmenschen. Der Hut ist keine Uniformmütze. Der höfliche Mensch nimmt diesen beim Gruß vom Kopf.

Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner.

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Frau J.G. schrieb:

 

Sehr geehrter Herr Fenner,

 

durch die Xing Plattform habe ich schon sehr viele nützliche Informationen bzgl. Stil und Kommunikation ziehen können. Allerdings habe ich jetzt ein Anliegen, das ich dort so noch nicht gefunden habe und wende mich deshalb vertrauensvoll an Sie.

 

Zum Jahresbeginn stehen in den meisten Unternehmen die Jahresgespräche an. So war

meines am 12. Januar. Das positive: Brutto 200,00 Euro mehr monatlich. Macht dann

2.000,00 Euro. Ich hatte mir mehr erhofft, aber eben besser als nichts. So dachte ich zumindest bis vor 10 Minuten. Da habe ich mit meiner Kollegin (die dieselben Aufgaben erfüllt, allerdings mit weniger Kundenverantwortung. Ihr Schwerpunkt liegt im organisatorischen, meiner im Vertrieb) gesprochen. Es sei dazu gesagt, sie ist 22 Jahre jung, seit 6 Jahren mit dabei (davon 3 als Azubi) und hat seit Ende der Ausbildung 2.000,00 Euro monatlich erhalten. Auch sie hat eine Gehaltserhöhung bekommen und landet in 2010 nun bei 2.100,00 Euro Brutto monatlich.

 

Wie muss ich das denn finden? Ich bin 30 Jahre jung, seit 2 Jahren mit dabei und mit 1.800,00 Euro Brutto als Quereinsteiger gestartet.

 

Ich finde das nicht in Ordnung. Zumal ich dieses Jahr noch mehr Verantwortung tragen soll, da ich mich zu einer Führungskraft entwickeln möchte.

 

Ist nur die Frage, nachdem ich das Protokoll noch nicht erhalten und unterschrieben habe: wie elegant ist es, nach zu verhandeln und falls ja - wie?! Ich kann meinem Chef wohl kaum sagen: aber die Frau M. bekommt mehr als ich. Erstens ungeschickt und zweitens nicht meine Art. Hätten Sie da einen Ratschlag für mich? Das wäre super.

 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

 

J. G.

 

Meine Antwort:

 

Sehr verehrte Frau G.,

 

wenn ich Ihren Brief richtig verstanden habe, ist Ihre Gehaltserhöhung doppelt so hoch wie die Ihrer jüngeren Kollegin. Oder hat sich bei mir ein Denk- oder bei Ihnen ein Schreibfehler eingeschlichen? Während Ihre Kollegin nur knapp 5 Prozent mehr bekommt, wird Ihr Gehalt um 12 Prozent erhöht. Sie sind fast 2 ½ mal so stark erhöht worden wie Ihre Kollegin. Das ist doch eigentlich toll, oder? Vermutlich haben Sie bei der Einstellung nicht hoch genug gepokert?

 

12 Prozent Gehaltserhöhung in einer Zeit, in welcher die größte Wirtschaftsrezession seit dem Kriege noch nicht ganz zu Ende ist, finde ich - ehrlich gesagt - grandios. Ich glaube, Sie sollten sich freuen.

 

Wenn Sie dann natürlich wirklich zur Führungskraft aufsteigen, können Sie dann allerdings darauf achten, dass Sie kräftig erhöht werden - das ist eine andere Situation. Allein die Anwartschaft darauf ist eigentlich noch nicht so recht ein Grund für eine überdurchschnittliche Gehaltserhöhung, die Sie offensichtlich dennoch bekommen haben.

 

Meine Meinung: Ich muss Ihnen gratulieren!

 

Herzlichst,

 

Ihr Uwe Fenner.

 

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Herr Dr. W. S., ein ebenso erfolgreicher Mergers-and-Acquisitions-Mann wie routinierter Golfspieler schrieb mir:

 

Hallo lieber Herr Fenner,

 

mich treibt immer noch die Frage um, dass mir in St. Andrews die Serviette von einer hübschen Bedienung über meine Blösse/Oberschenkel gelegt wurde.

 

Herzliche Grüße

 

Ihr S.

 

Meine Antwort:

 

Lieber Herr Dr. S.,

 

soll ich jetzt antworten, das kommt auf das Alter der hübschen Bedienung an? Nein! Tatsächlich ist der Drang, den Gast mit allem, was geht, zu verwöhnen, in bedeutenden Häusern der Gastlichkeit groß. Die Kellner und Kellnerinnen brauchen den Platz auf dem Tisch, auf welchem Ihre große Serviette hübsch zu einer Pyramide gefaltet steht, um den Teller dort hinzustellen. Also nimmt die Servicedame mit routinierter Bewegung Ihren Serviettenturm, entfaltet denselben flink und legt die nunmehr aufgefaltete Serviette auf Ihren Schoß. Eher nicht auf Ihre „Blösse“; denn Sie sitzen ja in diesem vornehmen Golfclub nicht elend, nackt und bloß, wie das Christkindlein im Stall von Bethlehem. Auch nicht allein auf Ihre Oberschenkel, sondern eben auf Ihren Schoß. So nennt man das, und . . .  Honi soit qui mal y pense: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Sie wissen, dieser Satz ist die Devise des englischen Hosenbandordens. Und es ist sowieso immer vornehm, sich nichts Böses zu denken, aber wahrscheinlich sind Sie doch so ein kleiner Schelm?!

 

Herzlichst,

 

Ihr Uwe Fenner.

 

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