Arbeitgeber-Fake oder Personalberatung mit verdeckten Karten?

Dezember 19, 2006

Frau N. O. aus Hamburg schrieb mir:

Guten Abend Herr Fenner,

ich möchte mich hiermit vertraulich an Sie wenden und hoffe, Sie können mir eine Hilfestellung geben.

Ich wurde heute von einem Personalberater mit einem konkreten Stellenangebot bei Xing angeschrieben. Dieser Personalberater hat seine Kontaktdaten nicht frei geschaltet und somit kann ich leider nicht einsehen, ob bereits Kontakte zu Personen von meinem derzeitigen Arbeitgeber bestehen. Nun weiß ich nicht, wie ich mich verhalten soll.

Ich traue meinem jetzigen Arbeitgeber (ich bin direkt der Geschäftsleitung unterstellt) durchaus zu, meine Loyalität durch derartige Aktionen zu hinterfragen.

Ich habe eine feste unbefristete Position. Ich bin mit einigen Management Entscheidungen nicht einverstanden, trotzdem stehe ich meinem Arbeitgeber loyal gegenüber. Ich bin noch relativ jung und entwicklungsfähig und möchte mich auf dem Arbeitsmarkt auch weiter entwickeln.

Haben Sie eine Hilfestellung für mich, wie ich auf die Anfrage des Personalberaters reagieren kann, ohne in einen Konflikt zu geraten? Grundsätzlich bin ich für interessante und herausfordernde neue Aufgaben aufgeschlossen, habe jedoch keinen Leidensdruck in meiner jetzigen Firma und Position.

Ich freue ich auf Ihre Antwort und sende Ihnen freundliche Grüße aus Hamburg

N.O.

Meine Antwort:

Sehr verehrte Frau O.

Sie trauen ja Ihrem Arbeitgeber allerlei Boshaftigkeiten zu; denn das tut man nicht als Arbeitgeber. Das hat überhaupt keinen Stil, wenn ein Arbeitgeber Sie mit einer Scheinofferte eines gefaketen Personalberater-Angebots aushorchen würde. Das mag ich auch nicht so recht glauben, dass Ihre Befürchtung zutrifft.

Ich glaube, gerade die Hamburger Kaufleute, die doch (mit Recht) immer so stolz sind auf ihre hanseatische Kaufmannstradition, auf ihre Ehrlichkeit, auf ihre Zuverlässigkeit, auf ihre Vertrauenswürdigkeit, auf den kaufmännischen Handschlag, der genau so viel gelte, wie ein Notarvertrag, würden sich nicht so leicht die Blöße geben, sich die vermeintliche Illoyalitäten ihrer Mitarbeiter durch ein gefälschtes Angebot zu erschleichen. Denn wenn ein Arbeitgeber dies täte, dann würde er in der Tat eine große Unehrlichkeit begehen, indem er Ihnen vorspielt, die Anfrage komme von einem Personalberater - von einem Headhunter - und nicht von ihm.

Und es ist ja noch nicht einmal illoyal, wenn ein Angestellter auf eine Anfrage (!) eines Personalberaters reagiert. Einen guten Arbeitgeber müsste es befremden, wenn er herausbekäme, dass er so dumme Angestellte hat, dass diese noch nicht einmal einem potenziellen neuen Angebot nachgehen, wenn dieses besser ist, als jenes vom jetzigen Arbeitgeber.

Ein besonnener Arbeitgeber wird Sie durch Gehaltserhöhungen und Beförderungen immer loyal erhalten: Wenn Sie in Ihrem Unternehmen einer verantwortungsvolleren und höher bezahlten Aufgabe nachgehen, als Ihnen von außerhalb Ihres Unternehmens geboten wird, dann haben Sie niemals einen Grund, das jetzige Unternehmen zu verlassen.

Aber wehe, wenn der heutige Arbeitgeber Ihre Leistungen nicht marktgerecht würdigt. Dann ist jeder kluge Arbeitnehmer gut beraten, den Verlockungen anderer Positionen nach zu gehen.

Nun nimmt es Sie Wunder, dass dieser Headhunter seine Daten bei Xing Ihnen gegenüber nicht frei gegeben hat. Und in der Tat erlebe ich das auch ab und zu, dass jemand aus der Community von mir etwas will und keinerlei Daten freigibt. Ich bin der Auffassung, dass das generell ein Zeichen von mangelhafter Professionalität ist. Solche Details bilden - übrigens gerade bei GUTEN Personalberatern - am Ende das Gesamtmosaik des Bildes eines Menschen. Mit Hilfe gerade solcher Mosaiksteine beurteilt der professionelle Headhunter in der Regel seine Kandidaten.

Wenn dieses Angebot also von einem veritablen Personalberater kam, dann können Sie zunächst einmal konstatieren, dass dieser vergleichsweise unprofessionell arbeitet, oder er tut das mit Absicht, und dann ist das unseriös, das ist noch schlimmer.

Dennoch: manchmal stecken hinter dummen und unprofessionellen Personalberatern trotzdem interessante Jobs. Und Ihre Frage war, wie soll ich mich verhalten?

Ich möchte Ihnen raten, zunächst mal den Namen des Personalberaters zu googeln. Finden Sie ihn im Internet überhaupt nicht als Personalberater, so würde ich ihm überhaupt nicht antworten; denn dann ist die Gefahr des Fakes groß. Und mit einem Personalberater, der keine Website besitzt und nirgendwo erwähnt ist, lohnt es sowieso nicht, ins Geschäft zu kommen.
Finden Sie ihn, allerdings nicht mit einem Sie überzeugenden Profil, dann rate ich Ihnen:
Schreiben Sie ihm, was Sie mir geschrieben haben, etwa:

„Ich bin bei meinem Arbeitgeber glücklich und zufrieden. Und ich darf Ihnen vielleicht noch ergänzend sagen, dass ich niemals auf Anfragen reagiere, die durch Sperrung der Kontaktdaten mehr oder weniger anonymisiert sind. Dafür bitte ich höflich um Ihr Verständnis. Sie würden sicher ähnlich handeln.“

Wenn der Berater einigermaßen seriös ist, wird er das verstehen und seine Kontaktdaten freigeben.

Denken Sie bei allem, was Sie tun, daran: Wenn das Angebot wirklich konkret ist und wenn Ihr Profil in die angebotene Vakanz wirklich gut passt, dann ist der Personalberater hochgradig an einer Kontaktvertiefung mit Ihnen interessiert. DANN kommt er bestimmt mit näheren Angaben erneut auf Sie zu.

Viel Glück wünscht Ihnen

Ihr

Uwe Fenner
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