Das Dilemma des Staates: Kein Stil

Mai 21, 2005

Freitag, Februar 25, 2005

Das Reichtagspräsidenten-Palais
ist ein wirklich imponierendes Gebäude. Es steht gegenüber dem Reichtag in Berlin, und zwar auf der Ostseite, und es beherbergt die Parlamentarische Gesellschaft. Dort hatte ich gestern eine Verabredung mit einem Bundetagsabgeordneten.
Wie die meisten Bundestagsabgeordneten
habe ich mein Auto als Beförderungsmittel zu meiner Verabredung gewählt. Das hätte ich nicht tun sollen. Denn bei all den schönen neuen Gebäuden, die nach der Wende rund um den Reichstag entstanden sind, mit all ihren riesigen miteinander verbundenen meistens dreiviertel leerstehenden Tiefgaragen - einen Parkplatz für Bürger, die ein Anliegen haben, welches sie mit ihrem Volksvertreter besprechen wollen, gibt es nicht.
Der diensttuende Polizeibeamte,
der mich nicht auf den Platz zwischen Reichstag und dem Haus der Parlamentarischen Gesellschaft, auf welchem ungefähr 20 bis 30 Autos parkten, einfahren lassen wollte (”Auf diesem Platz dürfen nur Dienstwagen der Abgeordneten und der Ministerien parken!”) antwortete auf meine Frage, wo ich denn nun meinen Wagen abstellen könnte, schlicht: “Nirgendwo; denn auch die riesigen Tiefgaragen sind nur für Dienstfahrzeuge.”
Die Arroganz des Staates
Wofür brauchen wir denn die Bürger noch. Die sollen wählen und damit gut.
Aber
“Der Staat ist für die Menschen, und nicht die Menschen für den Staat” - Das war der Wahl-Slogan der FDP zur Europa-Wahl 2004. Eigentlich eine Binsenweisheit. Und doch eine Lüge. Und Lügen sind stillos, es sei denn man übertreibt ein wenig mit dem Lob, das ist erlaubt.
Auch das Mainzer Gipfeltreffen
Bush - Schröder hat die Stillosigkeit unseres Staates oder doch unseres Repräsentanten offenbart: Der gutaussehende, souveräne, schlicht und bestens gekleidete George W. Bush, der sich einfach bewegte, wie ein Gentleman, und unser Bundeskanzler mit zu engem Mantel, einem Woll-Schal, unbeholfenem Gesicht und einer Ehefrau, die zu einem Staatsempfang Hosen trägt.
Da weiß man als Deutscher wirklich nicht, worauf man noch stolz sein soll “in diesem unserem Lande”.

Ihr Uwe Fenner