Herr M. E. aus Dortmund schrieb mir:
Guten Abend Herr Fenner, ich habe mich gefragt, ob es eine bestimmte Länge (zeitlich) zu beachten gibt, wenn man z.B. beim Vorstellungstermin dem Interviewer die Hand zur Begrüßung reicht.
Ich bedanke mich im voraus für die Antwort.
Mit freundlichen Grüssen
M. E.
Meine Antwort am 30. April 2008:
Sehr geehrter Herr E.,
das Händeschütteln ist in westlichen Ländern immer ein gängiges Begrüßungsritual gewesen, welches vermutlich auf das Winken zurückzuführen ist. Das Winken wiederum ist ein Zeichen der Freundschaft, durch welches man zeigt, dass man unbewaffnet erscheint. Geschichtlich gesehen gibt es schon im Neuen Testament im Brief des Paulus an die Galater, welcher ca. 50 nach Christus verfasst wurde, einen Beleg für einen Händedruck. Hier wird erwähnt, dass dem Apostel Paulus beim Abschied aus Jerusalem die „rechte Hand der Freundschaft“ gereicht wird. Somit war das Händeschütteln schon in der griechisch-römischen Zeit eine bekannte Sitte. Ebenso wurden Münzen aus der Zeit des antiken Roms gefunden, die einen Händedruck zeigen.
Der Händedruck ist eine sehr persönliche Geste, da er mit einer Berührung des anderen einhergeht, und das Berühren anderer Personen ist eine heikle Angelegenheit. Diese mit dem Händedruck verbundene Nähe widerspricht dem Ehr- und Anstandsgefühl zahlreicher Kulturen, und so ist der Händedruck auch hauptsächlich in den westlichen Ländern zu finden. Eine vorgeschriebene zeitliche Länge des Handschlags gibt es nicht. Es sind aber im Schnitt kaum mehr als ein oder eineinhalb Sekunden. Ein besonders herzlicher Händedruck kann auch mal etwas länger dauern. Zeitlich gedehnte Begrüßungsgesten, wie man sie bei Staatsbesuchen beobachten kann, sind aber eher die Ausnahme als die Regel und haben immer einen besonderen Grund. Bei Staatsbesuchen etwa soll ein langer Händedruck die Verbundenheit symbolisieren. Manchmal wird er aber auch nur vor den Pressefotographen künstlich verlängert, damit diese genügend Zeit für ihren „Schnappschuss“ finden.
Wichtig ist bei einem Händedruck, dass wie es der Name schon sagt, ein gewisser Druck ausgeübt wird. Nichts wirkt unangenehmer als eine schlappe Hand. Da bei einer Begrüßung viele Aspekte zu einem ersten Eindruck führen, sagt auch ein Händedruck schon viel über die entsprechende Person aus. Ein kräftiger Händedruck zeigt Selbstbewusstsein, Kraft und Willensstärke. Ein schwacher Händedruck kann dagegen negative Assoziationen hervorrufen. Jedoch sollte man als stilbewusster Mensch sich seinem Gegenüber etwas anpassen und dem anderen nicht gleich die Hand brechen. Das wirkt dann nämlich nicht nur grob, sondern auch ungehobelt. Selbst ein vernünftiger Händedruck ist allerdings nutzlos, wenn man keinen Blickkontakt aufbaut. Ohne diesen Blickkontakt hat ein Händedruck einen unpersönlichen Touch und wirkt nur als formale Geste ohne Herzlichkeit, auch dass kann viel über die Person aussagen.
Ein weiterer wichtiger Punkt, auf den man achten sollte, sind trockene Hände. Nun neigen viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen zu schwitzigen Händen. Dies ist natürlich bei einem Händedruck eher unangenehm und kann ebenso wie der schwache Händedruck negative Assoziationen wecken. Hier ist es empfehlenswert ein Stofftaschentuch in der Hosentasche mitzuführen und kurz vor einem Händedruck die rechte Hand daran zu trocknen.
Mit herzlichen Grüßen,
Ihr
Uwe Fenner
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