Dresscode Hochzeit - 2.Teil -

August 30, 2006

Dresscode Hochzeit - 2.Teil -

Herr M.T.R. schrieb:

> Guten Morgen, sehr geehrter Herr Fenner,
> gestern brachte mir der OpenBC Ihre Visitenkarte auf den Bildschirm.
> Ihre Kombination von Headhunting und Etikette-Training sehe ich als
> Daraufhin habe ich mir auch gleich Ihren Blog angesehen - und bin
> direkt im ersten Eintrag auf ein Thema gestoßen, dass mich noch vor
> kurzem persönlich betroffen hat: So war man tatsächlich erstaunt, als
> ich als eingeladener Hochzeitsgast mich beim Organisator vorab
> telefonisch nach der Kleidung des Bräutigams erkundigte - schließlich
> wäre es ausgesprochen unhöflich, feiner gekleidet als dieser zu
> erscheinen. Entscheidet er sich für einen Cut, wäre alles möglich -
> in diesem Fall jedoch entschied er sich für einen feinen Anzug,
> dementsprechend sind auch die Wahlmöglichkeiten der männlichen Gäste
> auf diese Kategorie begrenzt. Gut, wenn man fragt!
> Dies wollte ich Ihnen nur kurz mit diesem kleinen elektronischen Gruß
> schildern. Ich werde sicher noch des Öfteren in Ihrem Blog schmökern.
>
> Mit freundlichen Grüßen aus dem Süden
>
> M. T. R.

Meine Antwort:

Berlin, den 30. August 2006

Sehr geehrter Herr R.,

vielen Dank für Ihre Mail. Sie haben so Recht! Bester Stil ist natürlich, den Dresscode auf der Einladung zu vermerken.
Bei einer Morgenhochzeit mit abendlichem Diner etwa enthält der an die Hochzeitsgäste gerichtete Brief vier bis fünf Drucksachen:

1. Die Hochzeitsanzeige.
Sie dient der Information, wer heiratet, wo ist die kirchliche, in Fällen nichtkirchlicher Eheschließung ggf. auch standesamtliche Trauung, wann ist das offizielle Zeremoniell.

2. Die Einladung zum anschließenden Empfang.
Diese Einladung enthält in der Regel eine Kleidungsvorschrift, die dann auch für die Kirche gilt, etwa “Cutaway, dunkler Anzug, Uniform”. Die Kleidung für die Damen wird nicht erwähnt. Die Damen ziehen sich so an, dass es zu ihrem Begleiter passt. Trägt dieser einen Cutaway, trägt sie am besten ein Kleid, welches reichlich über die Knie geht, die Schultern verhüllt und keinen zu großen Ausschnitt zeigt. Hierzu ist ein Hut angebracht.

3. Die Einladung zum abendlichen Hochzeitsdiner, wenn ein solches stattfindet. Auch auf dieser Einladung ist ein Dresscode angegeben, z.B. “Frack, Smoking, Dunkler Anzug” - oder auch nur “Dunkler Anzug”. Auch wenn es sich um eine sehr offizielle Hochzeit handelt, auf welcher von den meisten Gästen erwartet wird, dass sie im Frack kommen, sollte man in Deutschland die Ergänzung “…Smoking, Dunkler Anzug” mit Rücksicht auf wertvolle Gäste, die solch ein Kleidungsstück nicht besitzen unbedingt vermerken. Es ist eher arrogant als vornehm in Deutschland, wo solche Kleidungsgepflogenheiten nicht selbstverständlich sind, den Gästen die Anschaffung eines Fracks für einen Abend zuzumuten. Die Damen tragen zum Frack das lange “große” Abendkleid, mit großem Ausschnitt, wem es steht. Zum Smoking ist zum abendlichen Fest bei einer Hochzeit sowohl das lange, als auch das kurze Kleid erlaubt. Neuerdings sieht man auch den Damensmoking und andere sehr elegante Hosenkombinationen. Wenn eine Dame letztere bevorzugt, sollte auf bemerkenswerte Eleganz, etwa auch beim Oberteil und durch entsprechenden Schmuck Wert gelegt werden.

4. Als weitere Drucksachen liegen solch einem Einladungsbrief zu einer Hochzeit häufig noch eine Wegbeschreibung, ein Landkartenausschnitt zur besseren Orientierung, eine Hotelliste und eventuell der Hinweis auf ein gutes Geschäft bei, welches eine Geschenkeliste führt, so dass man dort Geschenke, zum Beispiel Geschirr oder Silber, auswählen kann, über welche sich das Brautpaar freut.

In Anlehnung an Business Social Events, also an Veranstaltungen, die Unternehmen für ihre Kunden machen, legen Gastgeber von Hochzeiten neuerdings manchmal auch noch vorgedruckte Antwortkarten bei, auf denen man nur noch ankreuzen muss, zu welcher der Veranstaltungen, zu denen man geladen ist, man zu kommen beabsichtigt usw.

Wenn Eine Einladung zur Hochzeit keine Kleidungsvorschriften enthält, ist die Rückfrage beim Gastgeber immer die vornehmste Methode, weder over- noch underdressed, sondern passend zu erscheinen.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Uwe Fenner - http://www.fenner.de