1.
> >
> > > Hallo Herr Fenner,
> > >
> > > habe vorhin auf Ihrer Seite gelesen, was Sie anbieten, nämlich
> > > Headhunting für Unternehmen mit Stil.
> > >
> > > Sie machen mich neugierig: Gibt es tatsächlich Firmen, deren
> > > Executive Search Wert bzw. den Schwerpunkt auf die Eigenschaft
> > > “Gutes Benehmen” legt?
> > >
> > > Viele Grüße aus dem tief verschneiten Südbayern
> > > L. K.-W.
2.
> > Berlin, den 15 Februar 2006
> >
> > Sehr verehrte Frau Dr.K.-W.,
> >
> > Alle Unternehmungen - ohne eine einzige Ausnahme - behaupten
> > zumindest, dass es ihnen bei Spitzenpositionen nicht nur um Fach- und
> > Führungskompetenz, um Motivationsbegabung und Durchsetzungskraft
> > (beides sind ebenfalls Teile der Führungskompetenz), sondern auch
> > darum geht, dass die Kandidaten für solch’ hohe Positionen Kunden,
> > Anteilseignern, der Öffentlichkeit und den eigenen Mitarbeitern
> > gegenüber einen Wertekanon zu vermitteln in der Lage sind - und
> > wenn es nur zum Gedeihen des Unternehmens-Image sei. Das ist aber
> > nichts anderes als gutes Benehmen.
> >
> > Denn gutes Benehmen ist Charakterfestigkeit, gutes Benehmen ist
> > Moral, gutes Benehmen ist Respekt vor den Mitmenschen und vor der
> > Schöpfung Gottes, also vor der Umwelt, und gutes Benehmen ist damit
> > nichts anderes als unsere abendländische christliche Nächstenliebe
> > (die es natürlich in allen Religionen gibt).
> >
> > Was ich trainiere - Sie sollten mein Seminar am Donnerstag, den 23.
> > März, von 18:30 bis 23 Uhr im Hotel Prinzregent an der Messe, Riemer
> > Straße 350, München, besuchen - ist nichts anderes, als die Erinnerung an
> > geistige und emotionale Ästhetik im Umgang mit Menschen - mit ein
> > paar üblichen Usancen, auf welche sich “die gute Gesellschaft” im
> > Laufe der letzten Jahrhunderte geeinigt hat.
> >
> > Vielleicht wäre Ihre Frage berechtigter, wenn Sie sie so stellen
> > würden: Gibt es wirklich Firmen, die bei der Abwägung zwischen
> > kurzfristigem Gewinn, ggf. auch zu Lasten der Werte, oder
> > langfristigem Image, ggf. auch unter Hinnahme kurzfristiger
> > materieller Einbußen, sich für die letztere Variante entscheiden?
> >
> > Meine Antwort ist ja, aber nur inhabergeführte
> > (mittelständische) Unternehmen, deren Chef nicht auf die nächste
> > ad-hoc-Veröffentlichung schauen muss, sondern die langfristige
> > Entwicklung seiner Unternehmung im Auge haben darf.
> >
> > Dennoch arbeite ich in meiner mir selbst gesetzten Mission
> > unverdrossen weiter, und ich glaube, ich bewirke auch ein ganz
> > kleines Mosaiksteinchen.
> >
> > In diesem Sinne grüßt Sie herzlich und mit verbindlichen Empfehlungen
> > aus Berlin
> >
> > Ihr Uwe Fenner - http://www.fenner.de -
> >
3.
> Lieber Herr Fenner,
>
> vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort von letzter Woche. Schade,
> dass wir uns am 23.3. nicht sehen werden. Ich würde mich gerne einmal
> ausführlicher mit Ihnen zum Thema unterhalten.
>
> Interessant finde ich jedenfalls,
> 1. dass Sie gutes Benehmen mit Moral und Werten in Verbindung
> bringen und
> 2. dass Sie diese wiederum heutzutage besonders in inhabergeführten
> Unternehmen gefragt sehen.
> Im (extremen) Umkehrschluss bedeutet dies nämlich, dass sich
> börsennotierte Unternehmen keine Moral leisten können. Obwohl doch
> die Gewinnmaximierung das Ziel beider Unternehmensformen ist.
>
> Warum sollte das so sein? Meiner Vermutung nach ist das Kernproblem
> großer Aktiengesellschaften, die weitgehende Anonymität der
> Beteiligten. Wenn ein (großes) Unternehmen hauptsächlich den Share
> Holdern verpflichtet ist, so kann sich dessen Vorstand nur schwerlich
> mit der menschlichen Komponente dieser Investoren und deren
> persönlichen Schicksalen identifizieren. Ein mittelständischer
> Unternehmer hingegen, welcher seine Firma mit eigenen Händen
> aufgebaut hat, viele Mitarbeiter persönlich eingestellt hat und diese
> als vertraute Weggefährten sieht, tut er sich wahrscheinlich – trotz
> aller wirtschaftlicher Interessen – schwer, ganze Bereiche ins
> billigere Ausland zu verlagern.
>
> Interessanterweise kann ich aber aus meiner persönlichen
> Siemens-Laufbahn berichten, mehrere Vorgesetzte mit ausgeprägtem
> Werteverständnis genossen zu haben. Und umgekehrt berichten mir
> Freunde aus mittelständischen Unternehmen, dass dort eher rüde Sitten
> herrschen.
>
> In jedem Fall freut mich dieser Gedankenaustausch!
>
> Viele Grüße aus dem frühlingshaft, sonnigen München
> L. K.-W.
>
4.
Berlin, den 28. Februar 2006
Sehr verehrte, liebe Frau Dr. K.-W.,
das ist sehr interessant und aufschlussreich, was Sie schreiben. Ich danke Ihnen sehr. Ich teile Ihre Auffassung, dass Sie bei Siemens - gerade bei Siemens - auch eine Anzahl von Managern angetroffen haben, die hohe ethische Vorstellungen auch in ihrem unternehmerischen Handeln zu verwirklichen trachten.
Ebenso bin ich mit Ihnen einig, dass es viele Privat-Unternehmer gibt, die sich durchs Leben boxen.
Man muss dieses Thema wirklich differenziert sehen. Es ist gut, dass Sie mich insofern auf die Brüchigkeit meiner Theorien hinweisen.
Man muss wohl immer etwas schwarz-weiß reden, um zu verdeutlichen, was man meint. Aber ich stimme Ihnen zu, dass namentlich auch die “Unternehmer-Moral” abgenommen hat.
Ich habe einen guten Freund, er ist ein inzwischen im Ruhestand lebender Arzt. Er hat mich heute besucht. Wir sprachen u.a. über die Eigen-Bewältigung unserer Haushalte. Seine Lebensgefährtin ist erst vor einem Jahr gestorben. Die meiste Hausarbeit bewältigt nunmehr seine Zugehfrau, die er - selbstredend schwarz - mit 10 Euro pro Stunde plus Fahrgeld m.E. sehr gut besoldet. Dieser Freund ist der gesetzestreueste, der wahrhaftigste und lauterste Mensch, den ich kenne.
Wohin hat uns unsere von allen immer so über den grünen Klee gelobte Demokratie gebracht? Dass jeder, auch der treueste Staatsbürger zum Betrüger gemacht wird. Denn würde mein zitierter Freund diese Zugehfrau anmelden, Lohnsteuer bezahlen und teilweise abziehen, ihre Fahrtkosten versteuern als geldwerten Vorteil, dann würde nicht nur diese Hilfe nicht mehr kommen, sondern er würde auch keine andere kriegen - abgesehen davon, dass ein Privatmann, noch dazu einer von annähernd 70, den mit all diesen Anmeldungen verbunden Schreibkram gar nicht gebacken kriegt. So ist er ein Steuerbetrüger, wie vermutlich die meisten Abgeordneten, die dieses Gesetz gemacht haben, auch.
Was will ich damit sagen? Dass der Staat es ist, der mit seinen mediokren Politikern das Verständnis für Werte immer mehr zu Fall gebracht hat.
Dagegen müssen wir etwas tun!
Herzliche Grüße,
Ihr Uwe Fenner - www.fenner.de -








