Herr J.P. aus Mulfingen schrieb mir:
Würde mich über Ihren Kontakt sehr freuen, Herr Fenner.
Frage an Sie, den Experten: Was glauben Sie ist das Erfolgsrezept im Headhunting? Freue mich auf Ihre Nachricht.
Beste Grüsse
J. P. Meine Antwort:
Sehr geehrter Herr P.,
endlich stellt mir mal einer, der sich für meine Meinung interessiert, eine Frage aus dem Feld „Headhunting“, vielen Dank!
Vor 25 Jahren, als ich mit meiner Arbeit als Personalberater begann, schämten sich die meisten Personalberater noch über die Bezeichnung „Headhunter“. Viele Angehörige dieser Spezialität innerhalb des weiten Arbeitsfeldes Unternehmensberatung ordnen sich auch heute noch eher in die Kategorie Managementberater mit der Spezialaufgabe, das Management vor allem großer Unternehmen bei der Eigensuche nach besonders qualifizierten Führungskräften zu unterstützen. Diese zumindest verbale Fokussierung auf die Beratung der Unternehmensführung bei ihrer eigenen Suche und Auswahl von Managern war vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass bis in die frühen Neunziger Jahre hinein die Bundesanstalt für Arbeit mit ihren nachgeordneten Arbeitsämtern ein Vermittlungsmonopol besaß. Das bedeutete, dass ein privates Unternehmen oder ein selbständiger Berater niemals einen Menschen an ein anderes Unternehmen „vermitteln“ durfte. Die meisten Personalberater arbeiteten demzufolge damals mit großen Zeitungsanzeigen, vor allem in der Frankfurter Allgemeinen und texteten in ihren Anzeigen so, als seien sie selber ein Repräsentant des Unternehmens, etwa „Wir sind ein bedeutende mittelständisches Unternehmen der Automobilzulieferindustrie . . .“, und weiter, „Ihr Bewerbung richten Sie bitte an den von uns beauftragten Berater, Herrn . . .“
Doch trotz des Vermittlungsmonopols der Nürnberger Arbeitsverwaltung, und damit des Staates, etablierten sich auch schon in den 60er und 70er Jahren Headhunterfirmen in Deutschland. Die erste war, glaube ich, Spencer Stuart, eine amerikanische Headhunterunternehmung, die nach Deutschland filialisierte. Viele der namhaften späteren Headhunterfirmen-Neugründungen in Deutschland erfolgten von ehemaligen Spencer-Stuart-Partnern oder –Mitarbeitern. Einige dieser Headhunterfirmen etablierten sich in der liberalen Schweiz, wo es die unsinnigen wirtschaftsbehindernden und prosperitätsfeindlichen Staatsmonopole nicht gab.
Die Headhunter gingen nie den Weg der Ausschreibung, also der veröffentlichten Annonce. Vielmehr listet der Headhunter den Kreis von Unternehmungen auf, in denen eine Frau oder ein Mann jetzt sitzen könnte, der die Vakanz, welche der Headhunter in dem auftraggebenden Unternehmen besetzen soll, ausfüllen könnte. Anschließend identifiziert er diejenigen potentiellen Kandidaten, die möglicherweise in die auszufüllende Personalvakanz passen, interviewt sie, und stellt dabei sowohl ihre Eignung und Fähigkeit als auch ihre Wechselbereitschaft fest und präsentiert sie am Ende dem Auftraggeber-Unternehmen.
Bei der Identifizierung geeigneter Kandidaten hilft demjenigen Headhunter, der diesen Beruf schon lange betreibt sein Netzwerk. Dieses aufzubauen, ständig zu pflegen und zur Kommunikation mit ihm, dem Personalberater zu ermuntern, ist die vornehmste Aufgabe eines guten Headhunters.
Und so beantwortet sich den auch Ihre Frage nach dem Erfolgsrezept im Headhunting: Es ist der Auf- und Ausbau und die Pflege eines möglichst großen Netzwerks, das den guten Headhunter ausmacht, und es sind seine Erfahrungen in der raschen Beurteilung von Menschen, die er sich im Laufe seiner möglichst langjährigen Berufsarbeit zusammengesammelt hat.
Herzlichst,
Ihr
Uwe Fenner
ABATHON KNIGGE & KARRIERE GMBH - headhunting & coaching
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