Frau J.G. schrieb:
Sehr geehrter Herr Fenner,
durch die Xing Plattform habe ich schon sehr viele nützliche Informationen bzgl. Stil und Kommunikation ziehen können. Allerdings habe ich jetzt ein Anliegen, das ich dort so noch nicht gefunden habe und wende mich deshalb vertrauensvoll an Sie.
Zum Jahresbeginn stehen in den meisten Unternehmen die Jahresgespräche an. So war
meines am 12. Januar. Das positive: Brutto 200,00 Euro mehr monatlich. Macht dann
2.000,00 Euro. Ich hatte mir mehr erhofft, aber eben besser als nichts. So dachte ich zumindest bis vor 10 Minuten. Da habe ich mit meiner Kollegin (die dieselben Aufgaben erfüllt, allerdings mit weniger Kundenverantwortung. Ihr Schwerpunkt liegt im organisatorischen, meiner im Vertrieb) gesprochen. Es sei dazu gesagt, sie ist 22 Jahre jung, seit 6 Jahren mit dabei (davon 3 als Azubi) und hat seit Ende der Ausbildung 2.000,00 Euro monatlich erhalten. Auch sie hat eine Gehaltserhöhung bekommen und landet in 2010 nun bei 2.100,00 Euro Brutto monatlich.
Wie muss ich das denn finden? Ich bin 30 Jahre jung, seit 2 Jahren mit dabei und mit 1.800,00 Euro Brutto als Quereinsteiger gestartet.
Ich finde das nicht in Ordnung. Zumal ich dieses Jahr noch mehr Verantwortung tragen soll, da ich mich zu einer Führungskraft entwickeln möchte.
Ist nur die Frage, nachdem ich das Protokoll noch nicht erhalten und unterschrieben habe: wie elegant ist es, nach zu verhandeln und falls ja - wie?! Ich kann meinem Chef wohl kaum sagen: aber die Frau M. bekommt mehr als ich. Erstens ungeschickt und zweitens nicht meine Art. Hätten Sie da einen Ratschlag für mich? Das wäre super.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
J. G.
Meine Antwort:
Sehr verehrte Frau G.,
wenn ich Ihren Brief richtig verstanden habe, ist Ihre Gehaltserhöhung doppelt so hoch wie die Ihrer jüngeren Kollegin. Oder hat sich bei mir ein Denk- oder bei Ihnen ein Schreibfehler eingeschlichen? Während Ihre Kollegin nur knapp 5 Prozent mehr bekommt, wird Ihr Gehalt um 12 Prozent erhöht. Sie sind fast 2 ½ mal so stark erhöht worden wie Ihre Kollegin. Das ist doch eigentlich toll, oder? Vermutlich haben Sie bei der Einstellung nicht hoch genug gepokert?
12 Prozent Gehaltserhöhung in einer Zeit, in welcher die größte Wirtschaftsrezession seit dem Kriege noch nicht ganz zu Ende ist, finde ich - ehrlich gesagt - grandios. Ich glaube, Sie sollten sich freuen.
Wenn Sie dann natürlich wirklich zur Führungskraft aufsteigen, können Sie dann allerdings darauf achten, dass Sie kräftig erhöht werden - das ist eine andere Situation. Allein die Anwartschaft darauf ist eigentlich noch nicht so recht ein Grund für eine überdurchschnittliche Gehaltserhöhung, die Sie offensichtlich dennoch bekommen haben.
Meine Meinung: Ich muss Ihnen gratulieren!
Herzlichst,
Ihr Uwe Fenner.
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