Frau S. K. aus München schrieb mir am 6.12.2008:
Sehr geehrter Herr Fenner,
mit großem Interesse lese ich nun seit einiger Zeit Ihre Website und danke Ihnen bereits für einige Hilfestellungen. Eine derzeit anstehende Frage konnte ich jedoch bisher nicht beantwortet finden:
Mein Verlobter und ich werden kommenden Sommer heiraten und denken bereits jetzt, frühzeitig genug, über den perfekten Einladungstext nach.
Nun stellt sich die Frage: Darf man auf der Einladung Geschenkwünsche äußern?
Wir sind häuslich ausreichend eingerichtet, könnten also mit klassischen Geschenken wie Kaffeemaschine, Besteck oder auch einem bestellten Geschenketisch nichts anfangen.
Stattdessen würden wir uns sehr über eine finanzielle Unterstützung unserer außergewöhnlich und überaus exklusiven Hochzeitsreise freuen.
Dürfte man so etwas äußern? Gibt es eine angemessene Formulierung?
Wir danken Ihnen bereits jetzt für Ihre Hilfe!
Mit herzlichen Grüßen
S.K.
Meine Antwort am 10. Dezember 2008:
Sehr verehrte Frau K.,
erlaubt ist, was gefällt. Aber wenn Sie mich fragen, „was ist schicklich?“ oder „Wie stoße ich auf keinen Fall meinen Freunden und Verwandten vor den Kopf?“ - Dann muss ich Ihnen sagen, sollten Sie so etwas nicht tun.
Jeder, der zur Hochzeit eingeladen ist, bringt gerne ein Geschenk mit. Aber er wünscht sich dabei auch, dass Sie, Ihr zukünftiger Ehemann und Sie, sich lange an dem Geschenk erfreuen, am besten Ihr Leben lang.
Und wenn eines Tages ein Gast lobt, „oh, was ist das für ein schönes Silbertablett!“ - dann freut sich derjenige, der Ihnen dieses Tablett zur Hochzeit geschenkt hat, schon heute darauf, dass Sie sich an ihn erinnern und dem Gast sagen: „Das hat uns unser Freund XY zur Hochzeit geschenkt!“
Also, Geschenke sind etwas ganz Persönliches und etwas, das den Beschenkten möglichst lange an die Verbindung zwischen Schenker und ihm, dem Beschenkten erinnern soll. Deswegen schenken viele kultivierte Menschen auch Gegenstände - häufig aus Silber - , in welche sie Namen und Datum, eventuelle noch Anlass für das Geschenk eingravieren lassen. Also etwa das erwähnte Silbertablett (welches vielleicht auch von einer Anzahl von Freunden oder von den Mitgliedern des Kegelclubs oder den Gleichsemestrigen aus der Studentenverbindung verschenkt werden soll) mit der Inschrift: „Christa & Michael zur Hochzeit am 6. Mai 2009 von Anne & Ernst, Karin & Eckehardt, Sonja, Karl-Eduard und Valentin“.
Auch wenn Sie „schon alles haben“, gibt es so viele schöne Dinge, die Sie noch erfreuen können, namentlich solche Geschenke mit bleibendem Wert, weil Sie auf ewig an Ihre netten Freunde erinnert werden, dass Sie auf lange Sicht mehr davon haben, als ein paar Hunderter für Ihre Reise. Und Ihren Gästen wird schon etwas einfallen.
Kann ich mir denn nie ein Geldgeschenk wünschen? Doch, und zwar von den Eltern oder Brüdern und Schwestern, die haben dafür Verständnis. Aber für diesen kleinen Personenkreis braucht man’s nicht auf die Einladung zu schreiben.
Herzlichst,
Ihr Uwe Fenner
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