Guter Stil in der Politik?
Wenn die Politiker stilsicherer wären, einfach ehrlicher und mit besserem Benehmen ausgestattet, dann gäbe es sicher auch eine bessere Politik.
Aber zu deutlich steht hinter jedem Vorschlag - welcher Partei auch immer - das offenbar einzige Ziel dieses Vorschlags:
* Nicht etwa das Wohl der Volkswirtschaft, das Wohl von 80 Millionen Deutschen,
* nein, vielmehr offensichtlich allein die Einschätzung, werde ich mit diesem Vorschlag wieder gewählt?
* Gewinne ich mit dieser Idee die nächste Wahl?
* Schrecke ich mit einer Konzession an die richtigere Entscheidung nicht vielleicht meine Wähler
* und entscheide mich deshalb nicht lieber - selbst gegen meine Überzeugung - für die schlechtere Lösung.
Was geschah?
Der Bundeskanzler ist nicht mehr in der Lage, „unsystemisch“ zu denken. Er schlägt hier und dort eine kleine Veränderung im Steuersystem mit einer Ausnahmebestimmung von der Ausnahmebestimmung vor, die auf jeden Fall eins bewirkt:
* dass sich der biedere Mittelständler noch weniger auskennt mit den Vorschriften,
* dass noch intensiver (und kostspieliger) Berater eingeschaltet werden müssen.
* Und dass der Mittelständler, der Kleinunternehmer und der Freiberufler noch weniger zur eigentlichen Arbeit kommen, nämlich ihre Produkte zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen.
Nein, Herr Bundeskanzler, so werden Sie den kranken Staat nicht in das Stadium der Rekonvaleszenz bringen.
Die Opposition ist auch nicht besser.
Macht endlich der Bundeskanzler einen Reformvorschlag, weg mit der Eigenheimzulage;
* denn sie ist volkswirtschaftlich überflüssig,
* kostet den Staat viel, viel Geld
* und bringt keine nennenswerten Investitionen.
Schon sagt die Opposition, nein, nein, das ist zu hart, das geht auf keinen Fall, da können wir nicht mitmachen.
Verständlich, dass der Bürger jedes Vertrauen in die deutsche Politik verloren hat.
Dass er weiß, dass alle Politiker ihre Bürger nur belügen und betrügen.
Denn zu den ausgewiesenen 12 Prozent Arbeitslosen
* kommen ja nicht nur die vorgezogenen Ruheständler, sprich noch mal mindestens zweieinhalb Prozentpunkte,
* sondern darüber hinaus in Wahrheit noch all die Selbständigen, die in dieser harten Zeit überhaupt kein Geld mehr verdienen und sich alle arbeitslos melden würden, wenn es ihn so gut ginge, wie den arbeitslosen Angestellten, die immerhin (noch) eine Unterstützung des Staates in Anspruch nehmen können.
Die Politiker fordern nur noch die Bürger zu der Unsolidität auf, die sie selber jeden Tag exerzieren: Sie sollen trotz der katastrophalen Lage nichts sparen, sondern im Gegenteil ihr Erspartes ausgeben, so unsolide sein, wie die Politiker seit 40 Jahren!
Das ist richtig schlechter Stil.
Denn die Aufforderung anderer zum Selbstbetrug ist nicht weniger unmoralisch als die Anstiftung zum Fremd-Betrug!
Ihr Uwe Fenner








