Kavalierstuch und Handkuss

April 9, 2008

Lieber Herr U punkt Fenner,

habe mich gefreut Sie in der AZ zu lesen. Das war gut.

Anregung auch für Kleidung zu sorgen:

Zier-Taschentücher – das habe ich meinen Söhnen beigebracht, sind nur dann angebracht, wenn man auf Damen treffen könnte. Da fliessen immer einmal Tränen. Dafür hat der Gentleman ein unbeschneuztes Tuch vorn einstecken.

In AR- oder GF-Sitzungen nur angebracht, wenn dort auch Damen teilnehmen, Sekretärinnen ausgeschlossen.

Das Tuch hat WEISS zu sein. Peinlich wirkt das Tuch in der Schlipsfarbe, affig nennt man das.

Die Erscheinung des Tuches diskret. Prinz Philipp lässt nur einen weissen Streifen sehen. Musiker Bernstein benutzte das Tuch auch als Schweisstuch – wie Seeleute. Aber der Strich muss es nicht unbedingt sein, das Herausquellen des unbenutzten Tuches in Spitzen ist zulässig. Spitzen am Tuch, oder sichtbare Initialen, sind sicher nicht anzuraten.

Beim Handkuss ist es angezeigt,  die Hand der Dame nicht zum Mund zu reissen, sondern eine Verbeugung zu riskieren. Meinen Neffen habe ich übrigens mitgeteilt, dass sie die Hand meiner Frau immer als gewaschen voraussetzen können. Daher ist der Kuss auch zu vollenden. Darüber zu bleiben, ist schlicht beleidigend.

Bei einer Dame, zu der ich einmal in näheren Beziehungen gestanden habe, beisse ich auch einmal bei der Begrüssung diskret in die Hand. Das wirkt ermunternd und aggressiv viril.

Nur weiter so.

Ihr

G. A. P.

Meine Antwort:

Verehrter Monsieur,

erlauben Sie mir, zu Ihren launigen Stilempfehlungen Stellung zu beziehen:

1. Das Kavalierstüchlein.

Dass dieses weiß sein muss, ist eher eine Geschmacksfrage.

So trägt der Gentleman „smart casual“ häufig heutzutage keinen Schlips mehr.

Da macht ein buntes Seidentuch in der Brusttasche des Jacketts

den „casual“ outfit zum „smart casual“ dress.

Schlips und Tuch vom gleichen Stoff ist in der Tat affig oder auch spießig.

Spitzen rausschauen lassen an der Grenze.

Besser man faltet das Tuch zum Ballon,

steckt die Spitzen in die Taschen und lässt den Ballon (platt) so rausgucken,

dass es als lässig, ja fast unachtsam reingesteckt ausschaut.

Das Kavalierstüchlein, wie man es früher nannte, nur in Damengesellschaft

ist eine hübsche Reverenz an die Damenwelt

und entspricht Ihrem Charme, dem Charme eines Gentleman alter Schule,

darf aber dennoch nicht als maßstäblich angesehen werden.

2. Der Handkuss.

Was den Handkuss betrifft, so irren Sie, verehrter vorbildlicher Freund!

Eine leichte Verbeugung  -  nur mit dem Kopf  -  ist hinreichend und notwendig.

Der feine Mann zieht die Hand der mit dem Handkuss verehrten Dame durchaus deutlich nach oben,

und er berührt die Hand natürlich NIEMALS mit dem Mund,

es sei denn die seiner eigenen Ehefrau!

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

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