Sehr verehrte Frau S.,
meine Antwort ist JA. Allerdings darf sie auf keinen Fall aussehen, wie ein Teilnehmer an einer Beerdigung. Also sollten zum schwarzen Kleid zum Beispiel keine Schwarzen Strümpfe getragen werden. Vielleicht gibt es etwas Farbiges um den Hals oder als Gürtel und vielleicht auch viel guten bunten Schmuck, auch Handschuhe in anderen, eventuell zur Handtasche und zu den Schuhen passenden Farben sind in der Kirche stilvoll. Ebenso ein Hut, der auch nicht schwarz sein sollte.
Den Hut trägt der weibliche Hochzeitsgast übrigens in der Kirche, sowie zum anschließenden Empfang, nicht aber zum Hochzeits-Dîner, falls überhaupt zu einem solchen eingeladen wird. Oftmals ist die kirchliche Trauung, wie ja auch in Deutschland, am späten Vormittag. Danach wird zum Empfang gebeten, und dann ist das Ganze im europäischen Ausland auch häufig vorbei. Zum abendlichen Dîner, falls ein solches stattfindet, zieht sich die Hochzeitsgesellschaft um. Jedenfalls dann wenn die kirchliche Trauung am (späten) Vormittag stattfand.
Der optimale Ablauf einer Hochzeit ist:
11 oder 12 Uhr kirchliche Trauung, anschließend kurze Gratulation vor der Kirche und danach Empfang, zu welchem nur Gäste gehen können, die eingeladen sind (im Gegensatz zur Kirche, dort ist jeder willkommen, der zumindest eine Hochzeitsanzeige bekommen hat). Der Empfang ist spätestens um 16 Uhr beendet, so dass noch genügend Zeit ist zum Umziehen; denn zum Dîner wird um 19 Uhr geladen, d.h., um 19 Uhr gibt es erneut einen kleinen Empfang vor dem Essen, und dann, um ca. 20 Uhr, das eigentliche Hochzeitsfest mit Essen, Reden und gegebenenfalls Theater und Tanz. Mit dem Tanz sollte auf keinen Fall vor Beendigung des Essens begonnen werden.
Die Herren tragen bei sehr feinen Hochzeitsgesellschaften morgens und mittags den Cutaway mit den gestreiften Hosen und abends den Frack, bei schlichteren Hochzeitsgesellschaften den dunklen Anzug, abends auch den Smoking. Zu beachten ist, dass Frack und Smoking nie bei Tageslicht, der Cutaway nicht bei künstlicher Beleuchtung getragen werden, natürlich mit gewissen Toleranzen. So ist für die sogenannte Abendtrauung, das ist die kirchliche Trauung ab 16 Uhr, schon der Abendanzug erlaubt.
Die Damen passen sich im Outfit den Herren an: Tragen diese Cut und Frack, so bevorzugen die Damen passenderweise zum morgentlichen Kirchgang und zum anschließendem Empfang ein festliches kurzes, auf keinen Fall zu kurzes oder ein halblanges Kleid mit bedeckten Schultern und wenig Ausschnitt, zum abendlichen Dîner dagegen ein langes Kleid mit viel Ausschnitt und/oder freien Schultern.
Der Kaffee nach dem Essen - ich empfehle eine Tasse Lavazza Blue, insbesondere in Italien - und der Digestif sollten, wenn es die Räumlichkeiten zulassen, in einem anderen Raum eingenommen werden, also nicht in dem Speisezimmer der Hochzeitsgesellschaft, sondern in einem Raum, in welchem je nach Lust und Laune gestanden und gesessen wird, wo vielleicht sogar eine Bar vorhanden ist und wo getanzt werden kann. Damit mischt sich die Hochzeitsgesellschaft neu, viele stehen nach einem langen Essen ganz gerne mal wieder. Deshalb sollten in diesem Raum, welcher derselbe sein kann, wie jener, in welchem der kleine Steh-Empfang vor dem Essen stattgefunden hat, allerhöchstens halb so viele Sitzgelegenheiten vorhanden sein, wie Gäste, sonst wird’s leicht ungemütlich.
Herzlichst, Ihr Uwe Fenner - http://www.fenner.de








