Missverständnisse beim Lob - Die Eloge -

September 8, 2009

Herr B. nahm mit seinem Sohn an einem meiner Seminare teil und schrieb mir anschließend:

Sehr geehrter Herr Fenner,

Sie schrieben mir: “Sehr geehrter Herr B., vielen Dank für Ihre liebenswürdigen Elogen, die mich aufbauen! Herzliche Grüße und auch Ihnen viel Erfolg, Ihr Uwe Fenner.”

Für das Wort Eloge habe ich folgende Informationen gefunden:

„Bedeutungen: [1] überschwängliches Lob, übertriebene Lobrede
Herkunft: französisch éloge < lateinisch elogium = Grabinschrift < griechisch elegeion
Synonyme: [1] Ehrung, Elogium, Hymne, Lob, Lobpreisung, Lobrede, Schmeichelei“

Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ich zu keiner Zeit daran interessiert war Ihnen zu schmeicheln indem ich eine überschwängliche Lobrede halten wollte. Ich wollte und habe nur zum Ausdruck gebracht, was in mir klang.

Für meinen Sohn und mich waren die kurzen Augenblicke ein WIRKLICHER Gewinn für unser Leben. Da haben Sie, nehmen Sie das Lob bitte an, Großes geleistet.

Ihr
N. B.

Darauf meine Erwiderung:

Sehr geehrter Herr B.,

vielleicht habe ich eine “normalere” Auffassung über die Bedeutung des Wortes “Eloge”, und vielleicht greifen Sie sich zu sehr EINE und leider die einzig negative Bedeutung des Wortes heraus, nämlich die der Schmeichelei.

Nein, im Sinne einer Schmeichelei habe ich das Wort nie gebrauchen hören und auch nicht gebrauchen wollen. Ich interpretiere es anders. Es ist freundlich gemeintes, offensichtlich von Herzen kommendes Lob. Mehr Lob als Kompliment. Die “Schmeichelei” kann in Ihrem Duden nur so gemeint sein, dass ja dem mit Elogen Bedachten, also dem Gelobten ein freundliches Wort der Anerkennung immer schmeichelt. Das heißt, dass ich Sie keinesfalls der Schmeichelei bezichtigt habe, nichts lag mir ferner, trotzdem ist Ihr Lob natürlich für mich schmeichelhaft.

Es hat mich tatsächlich etwas getroffen, das Sie sich über meinen Dank nicht freuen konnten. Ihre einseitige und sicher am Rande liegende Deutung “Schmeichelei” - ist der Kürze eines möglicherweise nicht ausreichend ausführlichen Lexikons geschuldet - , ich würde es sogar als Kränkung auffassen, würden Sie dieselbe nicht durch Ihren Schlusssatz so deutlich relativieren.

Ganz sicher sind Elogen, die einem jemand zukommen lässt, etwas sehr, sehr Positives, und wenn Sie das irgendwo wirklich anders lesen, dann ist die Erklärung, wie auch Ihre etymologische Analyse zeigt, falsch.

Lassen Sie mich aber auch noch den Aspekt des guten Benehmens ins Feld führen.

Offensichtlich fühlen Sie sich durch meinen Dank über Ihr Lob verletzt, weil Sie das Wort “Elogen” zumindest einseitig deuten. Warum tun Sie das? Wo doch in Ihrem Lexikon fünf Synonyma zur Verfügung stehen? Zeigt Ihnen nicht der Tenor meines Gesamtbriefes, dass ich mich - neutral gesprochen - über Ihre Reaktion GEFREUT habe? Ich denke, es ist eher eine rhetorische Frage: Halten Sie es für gentlemanlike, durch einen von mir ganz offensichtlich gut gemeinten Dank den Sie mit dem zumindest etwas wenig ergiebigen Lexikon ein bisschen einseitig interpretieren, sich selber und mir die Laune zu verderben?

Warum sehen Sie den Menschen (mich), der sich bei Ihnen herzlich bedankt, so negativ durch diesen einen Ausdruck? Warum wählen Sie von den selbst in Ihrem Kurzlexikon angegeben fünf Interpretationen allein diejenige, die (nicht nur SO unzutreffend, sondern auch) unangenehm sind?

“Think positive!” sagen die Amerikaner und erinnern uns Mitteleuropäer, besonders uns Deutsche oft daran, dass wir in allen Dingen immer nur den Haken sehen wollen, die schlechte Seite bedenken: das halbleere anstelle des halbvollen Glases.

Dieser amerikanisch-positiven Grundeinstellung möchte ich mich - im Übrigen herzlich grüßend - freudig anschließen,

stets Ihr

Uwe Fenner

Herr B. antwortete ebenso prompt wie klar:

Sehr geehrter Herr Fenner,

danke für Ihre ausführliche Stellungnahme. Ich will gestehen, dass mir das Wort “Eloge” nicht geläufig war. Kurz nachgeschaut und - hoppela, und der ganze Brief bekommt eine andere Färbung (für mich!).

Salopp gesagt hatte ich das Gefühl, dass Sie mich “veräppeln” wollen. Wie gesagt: ICH hatte das Gefühl.

Aus diesem Gefühl heraus habe ich Ihnen geantwortet. Vorbei.

Ich schätze Sie - und es gibt keinen “Haken”.

Ihr
N.B.

Meine zweite Antwort:

Ganz besonders nette Richtigstellung. Nun bin ich dankbar und erfreut, lieber Herr B.!

Mein Kommentar: Wie leicht Missverständnisse entstehen, und wie schwer, dieselben wieder zu beseitigen!
Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner

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