Zum Thema: „Wie verhalte ich mich am Telefon, wenn der Headhunter anruft“, gibt es nur ein paar Dinge zu beachten. Man kann ja so ein Telefongespräch nicht wirklich vorbereiten. Der Anruf kommt spontan, aus heiterem Himmel.

Mein Tipp als Headhunter: Der Angerufene sollte liebenswürdig, aber klar reagieren:

1. Sich erfreut zeigen, dass der Headhunter gerade ihn anruft.
2. Nach der genauen Position fragen, die der Headhunter zu besetzen hat.
3. Nicht nach dem Unternehmen fragen, das verrät der Profi unter den Personalberatern sowieso nicht, sondern eher: „Um was für eine Art von Unternehmen handelt es sich denn? Handel? Hersteller wovon? Dienstleister?“ Ferner: „In welcher Region?“
4. Nach den auf diese Fragen erhaltenen Informationen rate ich, das Gespräch auf den Abend zu vertagen. Da der Headhunter seinen ersten Anruf gewöhnlich tagsüber über die dienstliche Telefonnummer tätigt (die private hat er meistens nicht), kann der angesprochene Kandidat leicht um ein Gespräch am Abend unter seiner Privatnummer bitten, die er dem Personalberater gibt.
5. Auf dieses abendliche Telefongespräch, welches bei professionellen Headhuntern ein Telefon-Interview wird, kann sich jeder, der tagsüber angerufen wurde, vorbereiten. Das ist eine große Chance; denn der professionell arbeitende Personalberater macht sich immer Notizen, schon bei diesem ersten Telefoninterview, bei dem gegebenenfalls folgenden persönlichen Gespräch zwischen dem Kandidaten und dem Headhunter ebenfalls und auch bei der Präsentation des Kandidaten bei dem auftraggebenden Unternehmen (dem suchenden Kundenunternehmen). Und die Angaben, die der vom Headhunter angesprochene Kandidat macht, müssen in jedem dieser Gespräche hundertprozentig übereinstimmen. Sonst wir man ihn nicht nehmen.

Zusammengefasst: Das Headhunter-Telefonat nach einigen wenigen Fragen auf den Abend verlegen und sich entsprechend vorbereiten, ist mein Rat.

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

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Sehr geehrter Herr Fenner,

vielen Dank für die prompte XING-Bestätigung und das Angebot, Fragen zu beantworten.

Hier mein Fall: Ich bin ein relativ junger (37 Jahre) Geschäftsführer meiner kleinen Firma (7 Mitarbeiter). Nach einer Motivationsrede mit dem Inhalt, dass alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen müssen und wir alle zu einem Team zusammenwachsen müssen, damit wir auch in der Zukunft erfolgreich sein werden, kommt ein Mitarbeiter (25 Jahre) mit folgendem Anliegen auf mich zu: „Also Chef, das war eine tolle Ansprache und ich bin auch gerne bereit Teil dieses Teams zu werden. Wäre es nicht ein angemessenes Zeichen, wenn wir uns einfach duzen?“

Ich war auf dieses Angebot nicht vorbereitet und lehnte auch ab mit der Begründung, dass ich es für nicht angebracht hielte. Ich bezog mich dabei auf erlebte Erfahrungen aus früheren Tätigkeiten.

Nun meine Frage: Habe ich richtig gehandelt, darf man ein Duz-Angebot überhaupt ablehnen? Auf jeden Fall möchte ich alle Mitarbeiter siezen und auch gesiezt werden.

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

M. G.

P.S.: Wir sind ein tolles Team und im Moment sehr erfolgreich - trotz siezen.

Meine Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

den Mitarbeiter sollten Sie nochmal beiseite nehmen. Noch besser wäre es gewesen, Sie hätten sofort entsprechend geantwortet: „Lieber Herr Soundso (oder lieber Paul, falls Sie ihn beim Vornamen zu nennen pflegen, was bei deutlich jüngeren und auch vom absoluten Alter gesehen jungen Mitarbeitern oft üblich ist), lassen Sie uns mal eben nach nebenan gehen!“ Oder „Lassen Sie uns morgen darüber reden, ich möchte sowieso ganz gerne noch ein paar Dinge mit Ihnen besprechen!“ (Damit es nicht so streng klingt) - Tatsächlich gibt es einige wenige, häufig amerikanische Unternehmen, in denen das Duzen aller Mitarbeiter untereinander üblich ist. Außerdem ist das Duzen der Mitarbeiter untereinander in manchen Unternehmen auch einfach sehr verbreitet. Im Osten - jetzt Neue Bundesländer - duzte sich häufig die gesamte Belegschaft.

In den meisten deutschen Unternehmen indessen, vor allem auch in den Großunternehmen,
erfolgt die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander, vor allem derjenigen, die im Büro sitzen, generell per Sie.

Wie Sie das in Ihrem Unternehmen handhaben möchten, ist Ihre Sache. Der Chef gestaltet und verantwortet die Unternehmenskultur seines Hauses. Sie haben es in keiner Weise nötig, sich vor wem auch immer dafür zu rechtfertigen, dass sich bei Ihnen die Mitglieder Ihrer Unternehmensfamilie siezen. Wenn Sie das Siezen für angebracht halten, dann wird sich eben in Ihrem Unternehmen generell gesiezt. Die einzelnen Mitarbeiter mögen untereinander machen, was sie wollen. Mit IHNEN machen sie, was SIE wollen!

Ich würde den jungen Mann zu einem freundschaftlichen „Vier-Augen-Gespräch“ rufen und ihm erklären, dass er Ihre Anerkennung und Wertschätzung hat. Dass er aber respektieren müsse, dass Ihre Auffassung des Umgangs der Mitarbeiter untereinander und vor allem im Verhältnis zu Ihnen auch in der Anrede seinen vernehmbaren Respekt finden solle. Sie respektierten Ihre Mitarbeiter, indem Sie sie ebenso höflich behandeln und ansprechen, wie zum Beispiel auch die Kunden und Lieferanten, und Sie erwarteten dasselbe auch von dem jungen Mann als Repräsentanten, ja geradezu als Botschafter Ihres Unternehmens. Auch der nicht zum Unternehmen gehörende Besucher und Kunde müsse in diesem höflichen Verhalten untereinander den Stil des Hauses erkennen. Und von dieser hohen Kultur solle der Fremde durchaus auf die Qualität Ihrer Produkte oder Dienstleistungen schließen. Gerade diese Symbolkraft vermittele die Solidität und Kultur des Unternehmens, die Sie als Chef nach draußen projizieren möchten.

Das wird der Mitarbeiter einsehen und sich bedanken, dass er wieder etwas von Ihnen lernen konnte. Wenn es passt, verbinden Sie dieses Gespräch noch mit einer Belobigung oder einer Gehaltserhöhung oder einem Versprechen, zum Beispiel dem Mitarbeiter beim Eintritt in irgendeine Gesellschaft (z.B. rotarische Jugend Rotaract o.ä.) zu unterstützen. Dann spätestens merkt der junge Mann, dass die Ablehnung kein Affront gegen ihn persönlich war.

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

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Frau B., selber Benimmtrainerin, schrieb:

Sehr geehrter Herr Fenner,

ich habe von einer Kundin eine Frage erhalten bei deren Antwort ich mir nicht ganz sicher bin und freue mich über Ihre Meinung:

Die Dame heißt Gerit G. und da man anhand des Vornamens nicht erkennen kann ob Mann oder Frau hier die Frage:

Wie kann ich jemanden dezent darauf hinweisen kann, dass ich weiblich bin. Dieses sieht man im Schriftverkehr nun ja nicht?

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe und viele kollegiale Grüße

S. B.
Seminare rund ums Benehmen
Hamburg

Meine Antwort

Sehr verehrte Frau B.,

jemand, der so heißt, müsste eigentlich längst Übung darin haben. Zum Beispiel mit der folgenden Formulierung:

„… dann schreiben Sie mir bitte schnell zurück, einfach an mich, Frau Gerit G. adressieren…“

Oder:

„Sie hatten mich gefragt, wie ich das finde. Nun, ich als Frau kann Ihnen dazu sagen…“

Oder

„… ich habe die Angelegenheit mit meinem Mann besprochen…“

Oder

„… als Mutter einer erwachsenen Tochter spreche ich aus Erfahrung.“

Oder

„… ich habe in meiner Handtasche / in der Tasche meines Kostüms noch eine Visitenkarte gefunden…“

Oder

„Männer haben es da ja einfacher, aber ich besitze überhaupt keine Ortskenntnis.“

Oder

„Sie wissen ja, dass die Männer uns Frauen in puncto Autofahren nicht viel zutrauen.“

Es gibt unzählige Möglichkeiten, mir fallen ununterbrochen weitere Formulierungen ein.

Letztlich geht es auch durchaus, als Absender zu schreiben:

„Absender: Frau Gerit G., Ballindamm 2, Hamburg.“

Das ginge übrigens bei einem Mann umgekehrt nicht. Ein Herr bezeichnet sich NIEMALS selber als „Herr“.

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

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Sehr geehrter Herr Fenner,

neulich habe ich Sie im Fernsehen gesehen und war ganz begeistert von Ihren Tipps. Nun habe ich selbst eine Stilfrage an Sie, wenn Sie gestatten:

Sie hatten als Abendgarderobe in einem Fernsehbeitrag letztes Wochenende einen Smoking vorgeschlagen. Nun bin ich in ein paar Monaten auf einer kirchlichen Hochzeit eingeladen und fungiere dort als Trauzeuge. Ein Randproblem ist: In welchem Stil erscheine ich zur amtlichen Trauung? Viel wichtiger ist die Frage, was ich zur kirchlichen Trauung und der anschließenden Feier anziehe. Sicherlich werde ich mich besonders einkleiden, denn es ist die
Hochzeit meines besten Freundes. Allerdings möchte ich gerade als Trauzeuge auch nicht mehr auffallen, als der Bräutigam. Ich bin schon etwa 15 cm größer als er, und wenn ich zu diesem Anlass in einem schwarzen Smoking erscheine, könnte man meinen, ich sei der Bräutigam. Die Hochzeit zieht sich über den ganzen Tag hin, d.h. das Outfit sollte sowohl Tagsüber als auch Abends getragen werden können, da es anscheinend nicht die Möglichkeit gibt, sich zwischendurch umzuziehen.

Was schlagen Sie vor? Den dunkelblauen Business Anzug, den ich schon die Woche über trage, oder vielleicht doch gleich einen Smoking?

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Freundliche Grüße

P. O.

Meine Antwort

Sehr geehrter Herr O.,

entschuldigen Sie, ich bin in Eile und dann zwei Tage unterwegs und weiß nicht, wann ich zu einer ausführlicher Beantwortung komme.

Deswegen in Kürze: Kein Smoking tagsüber! Der Smoking ist (wie auch der Frack) ein ABENDanzug, der kein Tageslicht verträgt. Nur in Ausnahmefällen, etwa wenn die Trauung um 16 Uhr oder später stattfindet, kann er bei Tageslicht dann angezogen werden, wenn es direkt danach zum Hochzeitsfest geht.

Wenn die Trauung früher stattfindet, ist der “Dunkle Anzug” der richtige, bei sehr feinen Hochzeitsgesellschaften der Cutaway, den man jedoch nur dann trägt, wenn der Bräutigam auch einen anzieht.

So ziehen Sie am besten nicht Ihren dunkelblauen Geschäftsanzug an, sondern kaufen sich schnell noch einen anthrazitfarbenen (extrem dunkelgrau, fast schwarz) Anzug, den Sie anschließend im Wechsel mit Ihrem dunkelblauen Geschäftsanzug tragen. Den brauchen Sie sowieso.

Noch einmal (auch wenn das andere trotzdem tun): KEIN SMOKING tagsüber!

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

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“Respekt und Rücksicht”

Oktober 17, 2009

[…] in meinen augen ist der letzte absatz fast der wichtigste, spricht er doch über das wichtigste im umgang mit anderen menschen : respekt.

ich persönlich empfinde es als repektvoll gegenüber schauspielern und musikern in angemessener kleidung zu erscheinen. jeans ist und bleibt eine arbeitshose ( trage ich auch täglich wenn ich am rechner sitze oder mich mit freunden treffe ) wenn ich zu einen termin gehe ist es selbstverständlich : anzug ( mal mit mal ohne kravatte - je nach veranstaltung ) - aber immer auf den anlass abgestimmt. und smoking, frack und cut hängen im kleiderschrank - für das angemessene gekleidet sein.

gruß, d.c.

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr C.,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme zum Thema “Respekt”. Tatsächlich bedeuten die Einhaltung guter Manieren, die Anwendung von Höflichkeit und Freundlichkeit gegenüber den Mitmenschen und das Bemühen um Stil und Etikette in erster Linie Respekt vor den Mitmenschen.

Aus Respekt vor dem jeweiligen Gegenüber bemühe ich mich, diesen nicht

- durch böse Worte,
- schrille Töne und unsittliche Kommunikation,
- durch üble Gerüche,
- durch drohende Gebärden und unangenehme Bewegungen und Körperhaltungen
- und auch nicht durch hässliche visuelle Ausstrahlung, mangelnde Hygiene, grauenhafte Kleidung

zu beleidigen und zu bepeinlichen. Gutes Benehmen ist Respekt und gutes Benehmen ist Rücksicht.

Jetzt gestatten Sie mir, Ihnen - ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen - auch noch persönlich einen kleinen Tipp zu geben. Ich weiß, es schreibt sich schneller, wenn ich nicht auf Groß- und Kleinschreibung zu achten brauche. Ich weiß allerdings auch, es liest sich viel, viel schwerer. Sind Sie deshalb nicht auch mit mir der Auffassung, dass es noch ein bisschen rücksichtsvoller dem Leser gegenüber wäre, sich der kleinen Anstrengung der richtigen deutschen Schreibweise, an die der deutsche Leser gewohnt ist, zu bedienen und so auch ein bisschen Mehrarbeit in Kauf zu nehmen, um dem Leser das Lesen zu erleichtern? Ich denke, auch das ist eine Maßnahme der Rücksicht, die wir nicht verlernen sollten. Was gibt es für einen Grund, sich hier im Netz einer anderen, für den Empfänger ein kleines bisschen schwierigeren Schreibweise zu bedienen, als im Briefverkehr? Rücksichtnahme ist immer mit ein bisschen Mehraufwand im eigenen Handeln verbunden. Aber die Unbequemlichkeit lohnt sich, es kommt langfristig meistens zurück!

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich von meinem Wochenende in der Sächsischen Schweiz,

Ihr
Uwe Fenner

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Sehr geehrter Herr Fenner!

Auf der Suche nach folgender Frage bin ich auf Ihre Expertise gestoßen: Bei Abbildungen größerer Hochzeiten erkennt man bei den Cut-tragenden Herren, dass unter der meist silbergrauen Weste eine weitere weiße Weste, eine Art Abnäher oder ähnliches, etwa 2-3 cm breit hervor blitzt. Worum handelt es sich hierbei? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, da bislang nirgends eine Auskunft zu erhalten war.

Mit freundlichen Grüßen

F.-B. S.

Meine Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

Ihre Anfrage liegt lange zurück, und ich möchte sie endlich beantworten.

1. Den schmalen weißen Streifen unter der Brustöffnung des Cutaways kenne ich nicht. Die Weste des anthrazit-schwarzen Cutaways, der bekanntlich mit hellgrau-dunkelgrau gestreiften Hosen getragen wird, deren Streifen in sich noch ein ganz kleines Fischgrätmuster zeigen, ist silbergrau oder neuerdings auch wieder häufig pastellfarben, bleu, gelb, rosa oder türkis, darunter wird ein ebenfalls pastellfarbenes Hemd (andere Farbe natürlich als die Weste), eventuell mit weißem Kragen und ebensolchen Manschetten oder ein weißes Hemd getragen. Die von Ihnen beobachteten weißen Streifen habe ich noch nicht gesehen. Vielleicht eine optische Täuschung durch das Fernsehen?
2. Das Jackett des kleinen Stresemanns ist einreihig und schwarz. Es hat steigende Revers und auf keinen Fall aufgesetzte Taschen, sondern solche mit Klappen, wie beim normalen dunklen Businessanzug. Den „Kleinen Stresemann“ sieht man aber nur noch in altmodischen Hotels. Dort wird er vom Front-office-Personal getragen. Heute trägt man zur offiziellen und festlichen Morgenveranstaltung meistens einen sehr dunklen Anzug mit weißem Hemd und schwarzsilbernem oder schwarzweißem Schlips. Der Cutaway scheint aber wieder etwas in Mode zu kommen, vor allem auf vornehmen Hochzeiten als Kleidungsstück für die kirchliche Trauerfeier vormittags und den Empfang danach. Bei solchen Hochzeiten zieht man sich nach dem Empfang um und trägt abends Frack oder Smoking.

Herzliche Grüße, Ihr

Uwe Fenner

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Kummerbund

September 29, 2009

Sehr geehrter Herr Fenner,

ich habe eine ganz kurze Frage an Sie, die mich seit Tagen beschäftigt: Ich bin am Wochenende auf einer Hochzeit in Deutschland eingeladen, wo abends Smoking getragen wird. Ich werde meinen Smoking (einreihig mit spitzen Revers) tragen, aber wollte diesmal gerne auf den Kummerbund verzichten. Ist das in Ordnung, oder ein absoluter no-go?

Wäre Ihnen sehr dankbar für eine kurze Erläuterung.

Ganz herzliche Grüsse vom Genfer See,

V. N.

Meine Antwort

Sehr geehrter Herr N.,

der Kummerbund ist so ein bisschen aus der Mode geraten. Wenn Sie nicht stattdessen eine Weste tragen wollen, müssen Sie Sorge tragen, dass Ihr Smokinghemd das kummerbundlose und westenlose Tragen zulässt. Das heißt, es darf kein Hemd sein, dessen Faltenbrust oder Piquémuster auf der Brust oberhalb des Hosenbundes aufhört.

Außerdem müssen Sie strengstens darauf achten, die Smokingjacke im Stehen und Gehen stets mit dem mittleren Knopf geschlossen zu tragen.

Auch darf es kein Smokinghemd sein, welches, wie bei feinen Smokinghemden oft üblich, vorne an den auch mit Weste oder Kummerbund sichtbaren Stellen, an denen Hemden für gewöhnlich Knöpfe zu zeigen pflegen, nur Knöpflöcher aufweisen, so dass man Zierknöpfe, ähnlich etwa kleinen Manschettenknöpfen, verwenden muss. Denn dann ist unterhalb der drei oder vier sichtbaren (Zier-) Knöpfe plötzlich ein ganz normaler popeliger Hemdenknopf zu sehen, den sonst die Weste oder der Kummerbund verdecken würde.

Viel Spaß auf der Hochzeit,

Ihr

Uwe Fenner

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Hochzeitseinladung

September 22, 2009

Sehr geehrter Herr Fenner,

ich bin auf eine Hochzeit eingeladen. Die kirchliche Trauung findet um 15 Uhr statt. Der anschließende Empfang im Schloss um 18.30 Uhr (black tie). Als Frau erscheine ich natürlich im langen Abendkleid mit einer Stola zum Empfang. Nun bleibt aber zwischen der Trauung um 15 Uhr und dem Empfang um 18.30 ganz sicher keine Zeit zum Umziehen, vor allem weil beide Veranstaltungen sehr weit voneinander entfernt liegen. Aber ich kann doch unmöglich um 15 Uhr mit einem langen Abendkleid und Stola in der Kirche erscheinen? Eigentlich müsste ich in die Kirche ein festliches Kostüm oder dezentes, knielanges Kleid anziehen und mich für den Empfang am Abend (black tie) umziehen können. In diesem Fall aber, würde ich mich eher für das Abendkleid zu beiden Anlässen entscheiden, als am Abend zum Empfang im Kostüm aufzutreten. Stimmen Sie mir da zu?

Mit freundlichen Grüßen

J. C.

Meine Antwort

Sehr verehrte Frau G.,

das ist eine, ein Wenig „verrutschte“, sogenannte Abendhochzeit. Da wird in der Kirche, die bei Abendhochzeiten normalerweise nicht vor 16 Uhr beginnt, schon die Abendgarderobe getragen, die auch später zum eigentlichen Hochzeits-Dinner die richtige ist, also Frack und Smoking, in Ihrem Fall Smoking (black tie). Zum Smoking passend ist sowohl ein langes, als auch ein kurzes - freilich dann auch sehr festliches - Kleid.

Sie tun gut daran, Ihre Abendrobe schon für den Kirchgang anzulegen, sollten aber für die kirchliche Zeremonie oben ein Jäckchen mit Ärmeln drüber ziehen oder eine sehr große Stola oder einen langen weiten (möglichst seidenen) Mantel oder ein seidenes Cape, das bzw. den Sie in der Kirche nicht ablegen und mit dem bzw. der Sie vor und in der Kirche Ihre schönen Schultern und Arme verbergen. Auch wäre ein großer Hut für den Kirchgang nicht schlecht, den Sie dann abends im Auto liegen lassen.

Viel Freude auf der Hochzeit und beste Grüße,

Ihr

Uwe Fenner

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Richtiges Besteck zum Fisch

September 19, 2009

Sehr geehrter Herr Fenner,

vielleicht können Sie mir helfen. Mich interessiert, welchen Fisch man mit richtigem Besteck isst… (ich vermute Matjes, Rollmops und evtl. Thunfischsteak) und wie man eindeckt bei Fisch wenn die Beilage Spargel ist.

Vielen Dank im Voraus!

J. W.

Meine Antwort:

Sehr verehrte Frau W.,

wann isst man Fisch mit dem “normalen” Essbesteck, mit Messer und Gabel?

Das können Sie inzwischen sogar immer tun. Das Fischbesteck ist ein (schönes) Relikt aus alten Zeiten und hat heute nur noch dekorativen Charakter. Früher freilich brauchte man ein Fischbesteck für Fisch. Und warum heute nicht mehr?:

Ein normales Messer besteht aus einem Messerstiel - der war früher und ist es auch heute noch vielfach aus Silber, oder er ist versilbert oder er ist heute, z.B. von WMF aus edlem Stahl - und einer Klinge. Die Klinge war schon immer aus Stahl. Allerdings war das Material früher nicht so ein guter rostfreier Edelstahl wie heutzutage, sondern eine Stahlklinge, die man durch sofortiges Waschen und Putzen (mit Ata und einem Korken) nach dem Essen rostfrei halten musste. Solch eine (unveredelte) Stahlklinge gab auf Fisch, auf Spargel, auf Kartoffeln und auf (gekochte) Eier den üblen Stahlgeschmack ab, der einem diese Genüsse verleidete. Deswegen aß man Spargel nur mit der Gabel und schob mit der Hand, die man anschließend in der bereitgestellten “Fingerbowle” (Fingerschale) wusch, nach, deshalb schnitt man nie eine Kartoffel (feine Leute tun das auch heute noch nicht), deswegen “köpfte” man niemals ein gekochtes Ei, sondern puhlte die Schalen mit den Fingern von der Kuppe, und deshalb wurde das Fischbesteck erfunden. Denn das Fischmesser besitzt keine Stahlklinge, sondern ist gänzlich aus Silber, man “schneidet” ja nicht wirklich damit, sondern schiebt das Fischfleisch doch nur ein bisschen. Und so wird auch die Antwort auf Ihre Frage ganz leicht, wann man dieses Fischbesteck nicht einsetzt, sondern das “normale” Messer-und-Gabel-Besteck: Immer dann, wenn der Fisch von einer Konsistenz ist, dass man schneiden muss. Das ist in Ihren Beispielen gegeben. Mit der Beilage Spargel ist automatisch ein schneidendes Messer verbunden, und weil heute ein Fischbesteck nicht mehr ein “Muss” ist, können Sie bei Fisch mit Spargel (kenne ich eigentlich nur in Verbindung mit Räucherlachs, bei dem Sie ohnehin ein scharfes “normales” Messer brauchen) immer Messer und Gabel, also das gewöhnliche Essbesteck decken.

Herzlichst aus einem Wochenende in der Sächsischen Schweiz,

Ihr Uwe Fenner.

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Stil in “rustikalen Runden”

September 12, 2009

Sehr geehrter Herr Fenner,

Ihr Stilblog stellt eine wirkliche und sehr effektive Bereicherung für einen angenehmen Umgang miteinander dar. Erlauben Sie mir bitte, Ihnen auch eine Frage zu stellen. Leider ist die Frage weniger konkret, als mehr allgemein:

Wie gehe ich denn mit meinem “guten Benehmen” innerhalb “rustikaler Runden” um und wie kann ich meine Mitmenschen dafür begeistern ohne Gefühle des “Nervens” zu ernten.

Aufgrund meiner Identität und auch meiner persönlicher Einstellung finde ich Freude an feinem Verhalten in jeder Lebenslage. Diese Auffassung und insbesondere die Umsetzung kollidiert zunehmend mit dem Verhalten vieler Leute, die ich gerade hier in Berlin alltäglich treffe.

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

O. S.

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr S.,

es ist fast unzumutbar, dass ich mich erst heute Ihrer interessanten Frage widme, welche Sie mir mit Ihrer Email gestellt hatten, nämlich der Frage, wie ich mit den schlechten Manieren meiner Umgebung umgehe, wenn ich selber eher ein Freund des guten Umgangs miteinander bin.

Das ist die Lust und die Last der Kultivierten: Sie freuen sich, gebildet, klug und sympathisch zu sein und müssen sich umso mehr ärgern, dass die wenigsten Mitmenschen diese guten Eigenschaften besitzen. Stolz und Ärger sind umso größer, je weiter der Abstand zwischen ihnen und der Mehrheit der anderen Zeitgenossen ist.

Was können Sie mit den Menschen Ihrer Umgebung machen? Wie können Sie diese überzeugen, dass das Leben mit guten Manieren mehr Spaß macht, möglicherweise erfolgreiche verläuft? Wen können Sie überhaupt überzeugen?

Die Antwort für die letzte Frage zuerst: Sie können die Mitglieder Ihrer Familie überzeugen, wenn Sie mit gutem Beispiel vorangehen, wenn Sie zu Ihrer Frau immer höflich sind, und wenn Ihre Kinder Sie als vorbildlichen, gerechten und anerkannten Erwachsenen wahrnehmen und wenn Sie ihnen Rahmen setzen, Konsequenz zeigen und wenn Sie ihre Familie vor allem als Tischgesellschaft begreifen. Das heißt, konsequent mindestens EIN gemeinsames Essen am Tag, bei dem es für niemanden eine Entschuldigung zum Fernbleiben gibt, bei welchem alle die einzelnen Mitglieder der Familie betreffenden Angelegenheiten besprochen werden, und bei welchen Sie die Maßstäbe von Sitte, Anstand und Moral setzen und - tolerant - deren Umsetzung kontrollieren.

Sie können selbstverständlich auch die Ihnen gegebenenfalls unterstellten Mitarbeiter überzeugen. Auch diesen gegenüber in erster Linie mit Ihrem guten Beispiel und der regelmäßigen Veranstaltung von internen Meetings auf denen Sie all‘ diese Fragen ansprechen und Antworten geben und Maßstäbe setzen für höfliches Verhalten und gute Manieren. Außerdem können Sie mit Ihren Mitarbeitern ein Inhouse-Seminar bei mir buchen, weil sie außenstehenden Trainern häufig besser zuhören und deren Ratschläge eher befolgen.

Der nächste Personenkreis, den Sie möglicherweise gerne überzeugen würden, ist Ihr Bekannten- und Freundeskreis. Da wird es schwieriger. Denn auf diesen Kreis haben Sie nur wenige Einflussmöglichkeiten. Aber auch hier können Sie als Vorbild Maßstäbe setzen, und vielleicht können Sie unter Ihren Freunden das Thema „Stil & Etikette“ einmal thematisieren.

Ich bin zum Beispiel vor geraumer Zeit von einem Wuppertaler Ehepaar gebeten worden, ein Seminar bei denen zuhause zu geben, zu welchem sie sich mit ihren 16 besten Freunden verabredet hatten. Die Gastgeberin hat ein wunderbares Abendessen vorbereitet, und ich habe - quasi als „Etikette-Moderator“ den ganzen festlichen Abend begleitet. Ich habe alles, was zu einer guten Abendgesellschaft gehört, kommentiert und mit den Gästen diskutiert, von der formvollendeten Einladung, wie man darauf reagiert, was man mitbringt, was man anzieht (nicht nur zu der Gelegenheit) wie der Ablauf einer Abendgesellschaft ist, ich habe zum Placement, zur Bedeutung von Tischdamen, über Tischreden und zu den Tischsitten gesprochen und den Umgang miteinander auf Reisen und im Büro erläutert - kurz, ein heiteres Seminar ohne trockenen Seminarcharakter durchgeführt.

Das lebt dann weiter fort; denn Ihre Freunde werden in Zukunft die besprochenen Artigkeiten ernster nehmen, insbesondere in diesem Kreis.

Eine Variante dieses privaten Inhouse-Seminars habe ich auch mal als Etikette-Moderator anlässlich eines Abendessens inszeniert, zu welchem ein in der Werbung tätiges Gastgeberehepaar seine Geschäftsfreunde (und mich) eingeladen hatte, mit ähnlichem Inhalt wie beschrieben, nur etwas weniger Stoff, etwas mehr „Moderation“ eben.

Meine wichtigste Empfehlung ist aber die: Seien Sie vor allem konsequent im eigenen Handeln. Lassen Sie sich nicht durch verrohte Sitten anderer herunterziehen. Das heißt nicht, dass Sie nicht auch mal auf dem Oktoberfest ein Hähnchen mit den Fingern essen können, das heißt vielmehr, dass man Sie niemals mit offenem Mund ohne die Hand davor gähnen sieht und dass Sie niemals sitzen bleiben, wenn eine Dame oder jemand Älteres das Zimmer betritt, in welchem Sie sich befinden, dass Sie niemals mit vollem Mund sprechen und nicht beim Essen mit Besteck in den Händen gestikulieren.

Uwe Fenner
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