Dresscode zum Polo-Turnier

September 10, 2009

Hallo lieber Uwe,

Ich hoffe es geht Dir gut. Am kommenden Sonntag bin ich auf dem Frankfurter Polo-Turnier eingeladen. Was zieht man denn da an? Eher casual? Die Location der Gruppe ist ein VIP-Zelt. Jeans, High heels, Bluse, ist das okay? Das ist ja schließlich kein Pferderennen.

Für Deine Hilfe wäre ich Dir sehr dankbar.

Liebe Grüße,
Nadine

Meine Antwort:

Hi Nadine,

zum Polo-Turnier ist britische ländliche Kleidung angesagt. Für den schnöden Zuschauer genügen Jeans und Barbourjacke.

Für die VIP-Lounge empfehlen sich ein Tweedjackett, Hermes-Schal, Bluse und untenrum Flanellrock bis über die Knie. Gute Jeans gehen auch. Auf keinen Fall High heels, die wirken furchtbar gewöhnlich und aufgesetzt. Vielmehr ist braunes Schuhwerk mit wenig oder gar keinem Absatz angesagt, und wenn Absatz, dann breit genug, damit Du auf der Wiese nicht einsinkst. Brauner Gürtel und Strümpfe in einer Farbe, die als Minderheitsfarbe in Deinem Tweedjackett auftaucht, z.B. blau oder pink oder bordeaux, sowie schweinslederne Handschuhe und gegebenenfalls ein großer ländlicher Hut: Dann bist Du perfekt, und jeder britische Aristo will Dich sofort heiraten.

Viel Spaß und liebe Grüße,

Dein Uwe.

Uwe Fenner
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Herr B. nahm mit seinem Sohn an einem meiner Seminare teil und schrieb mir anschließend:

Sehr geehrter Herr Fenner,

Sie schrieben mir: “Sehr geehrter Herr B., vielen Dank für Ihre liebenswürdigen Elogen, die mich aufbauen! Herzliche Grüße und auch Ihnen viel Erfolg, Ihr Uwe Fenner.”

Für das Wort Eloge habe ich folgende Informationen gefunden:

„Bedeutungen: [1] überschwängliches Lob, übertriebene Lobrede
Herkunft: französisch éloge < lateinisch elogium = Grabinschrift < griechisch elegeion
Synonyme: [1] Ehrung, Elogium, Hymne, Lob, Lobpreisung, Lobrede, Schmeichelei“

Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ich zu keiner Zeit daran interessiert war Ihnen zu schmeicheln indem ich eine überschwängliche Lobrede halten wollte. Ich wollte und habe nur zum Ausdruck gebracht, was in mir klang.

Für meinen Sohn und mich waren die kurzen Augenblicke ein WIRKLICHER Gewinn für unser Leben. Da haben Sie, nehmen Sie das Lob bitte an, Großes geleistet.

Ihr
N. B.

Darauf meine Erwiderung:

Sehr geehrter Herr B.,

vielleicht habe ich eine “normalere” Auffassung über die Bedeutung des Wortes “Eloge”, und vielleicht greifen Sie sich zu sehr EINE und leider die einzig negative Bedeutung des Wortes heraus, nämlich die der Schmeichelei.

Nein, im Sinne einer Schmeichelei habe ich das Wort nie gebrauchen hören und auch nicht gebrauchen wollen. Ich interpretiere es anders. Es ist freundlich gemeintes, offensichtlich von Herzen kommendes Lob. Mehr Lob als Kompliment. Die “Schmeichelei” kann in Ihrem Duden nur so gemeint sein, dass ja dem mit Elogen Bedachten, also dem Gelobten ein freundliches Wort der Anerkennung immer schmeichelt. Das heißt, dass ich Sie keinesfalls der Schmeichelei bezichtigt habe, nichts lag mir ferner, trotzdem ist Ihr Lob natürlich für mich schmeichelhaft.

Es hat mich tatsächlich etwas getroffen, das Sie sich über meinen Dank nicht freuen konnten. Ihre einseitige und sicher am Rande liegende Deutung “Schmeichelei” - ist der Kürze eines möglicherweise nicht ausreichend ausführlichen Lexikons geschuldet - , ich würde es sogar als Kränkung auffassen, würden Sie dieselbe nicht durch Ihren Schlusssatz so deutlich relativieren.

Ganz sicher sind Elogen, die einem jemand zukommen lässt, etwas sehr, sehr Positives, und wenn Sie das irgendwo wirklich anders lesen, dann ist die Erklärung, wie auch Ihre etymologische Analyse zeigt, falsch.

Lassen Sie mich aber auch noch den Aspekt des guten Benehmens ins Feld führen.

Offensichtlich fühlen Sie sich durch meinen Dank über Ihr Lob verletzt, weil Sie das Wort “Elogen” zumindest einseitig deuten. Warum tun Sie das? Wo doch in Ihrem Lexikon fünf Synonyma zur Verfügung stehen? Zeigt Ihnen nicht der Tenor meines Gesamtbriefes, dass ich mich - neutral gesprochen - über Ihre Reaktion GEFREUT habe? Ich denke, es ist eher eine rhetorische Frage: Halten Sie es für gentlemanlike, durch einen von mir ganz offensichtlich gut gemeinten Dank den Sie mit dem zumindest etwas wenig ergiebigen Lexikon ein bisschen einseitig interpretieren, sich selber und mir die Laune zu verderben?

Warum sehen Sie den Menschen (mich), der sich bei Ihnen herzlich bedankt, so negativ durch diesen einen Ausdruck? Warum wählen Sie von den selbst in Ihrem Kurzlexikon angegeben fünf Interpretationen allein diejenige, die (nicht nur SO unzutreffend, sondern auch) unangenehm sind?

“Think positive!” sagen die Amerikaner und erinnern uns Mitteleuropäer, besonders uns Deutsche oft daran, dass wir in allen Dingen immer nur den Haken sehen wollen, die schlechte Seite bedenken: das halbleere anstelle des halbvollen Glases.

Dieser amerikanisch-positiven Grundeinstellung möchte ich mich - im Übrigen herzlich grüßend - freudig anschließen,

stets Ihr

Uwe Fenner

Herr B. antwortete ebenso prompt wie klar:

Sehr geehrter Herr Fenner,

danke für Ihre ausführliche Stellungnahme. Ich will gestehen, dass mir das Wort “Eloge” nicht geläufig war. Kurz nachgeschaut und - hoppela, und der ganze Brief bekommt eine andere Färbung (für mich!).

Salopp gesagt hatte ich das Gefühl, dass Sie mich “veräppeln” wollen. Wie gesagt: ICH hatte das Gefühl.

Aus diesem Gefühl heraus habe ich Ihnen geantwortet. Vorbei.

Ich schätze Sie - und es gibt keinen “Haken”.

Ihr
N.B.

Meine zweite Antwort:

Ganz besonders nette Richtigstellung. Nun bin ich dankbar und erfreut, lieber Herr B.!

Mein Kommentar: Wie leicht Missverständnisse entstehen, und wie schwer, dieselben wieder zu beseitigen!
Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner

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Herr T.P. fragte mich am 28.07.2009:

Sehr geehrter Herr Fenner,

wie bitte ist es richtig:

Frackhemd mit Umschlagmanschette und entsprechenden Manschettenknöpfen oder Frackhemd mit einfacher Manschette und Manschettenknöpfen?

Ich neige zu letzterem.

Vielen Dank für Ihre Auskunft.

Mit guten Grüßen aus Düsseldorf

T.P.

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr P.,

auch für mich unverständlicher Weise besitzt das Frackhemd nur einfache Manschetten, die aber mit möglichst kostbaren, aber nie mit Brillanten oder Diamanten verzierten Manschettenknöpfen zusammengehalten werden. Warum keine Diamanten und Brillanten?: Der feine Herr ziert sich mit diesen Edelsteinen nicht. Erlaubt sind Gold, Silber und Halbedelsteine (Amethyst, Rubin, Smaragd, Aquamarin, Bernstein, Granat, Jade, Koralle, Türkis, Achat, Lapislazuli, Malachit u.v.a.m.). Die Frontseite des Frackhemds wird üblicherweise an den sichtbaren Stellen mit Perlen zugeknöpft, während das feine Smokinghemd eher den oben beschriebenen Manschettenknöpfen ähnliche Hemdenknöpfe zeigt, also mit Halbedelstein-Gabouchons besetzte Zierknöpfe zum Einstecken, welche in schmalen Goldrändern gefasst sind.

Übrigens:
Wenn Sie eine Taschenuhr zum Frack tragen, eine „Frackuhr“ ist ein besonders flaches Exemplar, stecken Sie dieselbe nicht in die Westentasche, wie es viele Menschen falsch machen. Die Frack (-Taschen) –Uhr gehört in die Hosentasche! Die goldene Kette wird an der seitlichen Schnalle befestigt, mit welcher man den Hosenbund strafft.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Ball- oder Hochzeitsabend!

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner
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Frau K. L. fragte mich am 23.07.2009:

Nun möchte ich doch mal eine “Benimm”-Frage stellen, wenn Sie erlauben:

mein Mann erklärt meinem Sohn häufig, dass er doch bitte seine Stulle mit der linken Hand essen möge. Seine Begründung dabei ist, wenn jemand an den Tisch herantritt hätte er eine schmutzige Hand und könne nicht anständig guten Tag sagen.

Ich denke: 1. gehört es sich nicht essende Menschen zu stören, also muß man auch keine Hand frei halten zum guten Tag sagen. 2. halte ich diese Maßnahme nur dann für sinnvoll, wenn die Erklärung z.B. lauten würde, dass man üblicherweise mit rechts ans Glas greift und man dieses eben nicht mit Fettfingern verunreinigen darf. So kenne ich das z.B. vom Hühnchenessen, dabei ist ja ebenfalls eine Hand zum Huhn-anfassen erlaubt, die andere fürs Getränk sauber zu halten.

Was meinen Sie?

Liebe Grüße und ich freue mich, dass ich nun endlich mal einen Grund gefunden habe, Sie um Rat fragen zu können :-)

K. L.

Meine Antwort:

Liebe Frau L.,

der feine Mann und die Dame von Welt brechen sich stets nur so ein kleines Bröckchen Brot ab, welches sie, nachdem sie nur dieses Bröckchen mit Butter oder Marmelade bestrichen und gegebenenfalls auch mit einem kleinen Scheibchen Lachs oder Wurst belegt haben, im Ganzen in den Mund befördern können.

Das Praktische dieser Methode:
1. keine Essensreste zwischen den Frontzähnen, die durch das Abbeißen dort möglicherweise hängen bleiben;
2. Keine Fettfinger, wenn man das kleine, zu bestreichende Brotstückchen in die linke und das Streichmesser in die rechte Hand nimmt.
3. Auch die linke Hand bleibt fettfrei, wenn man sich nicht gerade die Finger mit Butter einstreicht. Das sollte man üben.

Der kultivierte Mensch steht auf, wenn ein anderer sich dem Tisch nähert und sich mit an diesen setzen möchte, um Letzterem “Guten Tag” zu sagen, gleichviel, ob das Zuspätkommen des Anderen von diesem eine Unhöflichkeit darstellt, weil er zu spät gekommen ist, oder vom schon am Tisch Essenden, weil dieser vorzeitig mit dem Essen begonnen hat.

Regel 1: Kultivierte Menschen beißen nicht ihr Brot ab.

Regel 2: Menschen, mit denen man zusammen an einem Tisch isst, begrüßt man auch, und zur Begrüßung steht man auch auf.

Herzlichst,

Uwe Fenner

Lieber Herr Fenner,

nun, diese ausführliche Antwort ist sehr lehrreich!

Offen bleibt nun aber die Frage, wie dies im Alltag mit 3 kleinen Kindern am Tisch zu handhaben ist. Die deutsche Familienkultur lässt ja nun geschnittene Stullen auf den Teller wandern, ist das nicht ein bisschen … eklig, wenn man sich davon Teile abbricht? Meine Großeltern haben früher sogar geschmierte Stulle mit Löffel und Gabel gegessen, fällt mir dabei ein. Fällt das unter “kultiviert”?

Ansonsten ist das ein hübscher Anreiz mit unseren Kindern zu üben. Unser 5jähriger ist ja nun gerade im Alter, in dem man mit Messern zurechtzukommen sucht. Die Kleineren eher nicht, da ist von Kultur nicht viel zu spüren, wenn die fast 2jährige sich freudestrahlend den Quark von der Stulle leckend im Gesicht verteilt - aber süß ist es trotzdem. ;-)

In diesem Sinne seine Sie herzlichst bedankt,

Ihre K. L.

Meine 2. Antwort:

Sehr verehrte Frau L.,

Eltern wären nicht Eltern, wenn sie nicht alle merkwürdigen Handlungen ihrer Kleinen süß fänden.

Nicht mit Löffel und Gabel, sondern mit Messer und Gabel haben wir unsere Wurst- und Schinkenbrote verzehrt und tun das heute noch so. Bei Käse und sowieso bei Marmelade würde ich aber zu der Bröckchen-abbrech-Methode raten. Das hat Stil, und die Finger bleiben sauber. Es hat also durchaus eine sehr reale hygienische Komponente. Und wenn Sie es den Kindern demonstrativ vormachen, tun sie’s Ihnen eines Tages ganz automatisch gleich.

Das Phänomen der guten Erziehung besteht in unseren Zeiten, in denen die Erwachsenenwelt von der Form- und Stillosigkeit der 68er geprägt ist, darin, dass die Erwachsenenwelt es nicht gelernt hat, weil deren Eltern in vielen Erziehungsanliegen vor der öffentlichen (ablehnenden) Meinung kapituliert haben.

Jetzt ist “Benimm wieder in”, und viele junge Leute sehen in Stil und Etikette so ein ähnliches Fach wie Physik oder Erdkunde. Letztlich ist es gar nicht so verkehrt, es ist Sozialkunde. Es ist die Lehre vom Umgang miteinander. Und wer da vorbildlich ist, der gewinnt im Leben.

Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner.

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22. Wie gut gekleidet sind die Berliner?
Grauenhaft. Mir kommt es so vor, als wollten sie in einem Wettbewerb um die am schlechtesten angezogene Stadt unbedingt den ersten Platz einnehmen. Also in Sachen Mode und dem Anlass angemessene Kleidung schneiden die Berliner ganz schlecht ab.

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21. Würden Sie eine Frau ohne Strümpfe ins Büro lassen?
Da hat sich einiges geändert. In Banken und Rechtsanwaltskanzleien ist es sicher angebracht, nicht mit nackten Beinen zu erscheinen. In Werbeagenturen sind die Bekleidungsvorschriften sicher lockerer.

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20. Und womit erregen die Frauen Ihren Unmut?
Mit Leggins. Mit bauchfreien Oberteilen, aus denen der Bauch quillt. Aber auch mit hellen Strümpfen unter dunklen Hosen, aus denen dann ein Scheibchen Knöchel hervorguckt.

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19. Was sind die größten Modesünden?
Oh, die Liste ist lang. Ganz oben steht für mich der Rucksack in der Staatsoper. Kurze Hosen bei Männern. Die sollten sie, abgesehen vom Sport, nie tragen! Das gilt auch für Sandalen. Mit denen dürfen Männer höchstens am Strand spazieren. Grässlich sind natürlich auch Strümpfe, die heller als die Hosen sind. Und braune Schuhe am Abend.

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18. Frau Merkel indes wurde kritisiert, weil sie bei einem Empfang der Queen im Hosenanzug erschien.
Vielleicht war das nicht ganz passend. Aber grundsätzlich stehen Hosenanzüge der Bundeskanzlerin gut. Im Kleid ist sie aber auch eine gute Erscheinung.
Auch wenn Sie mit gewagtem Dekolletée zur Einweihung der Oper ins Oslo erscheint?
Ich fand das wunderbar. Da fehlte nur noch ein dicker Klunker.

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17. Worauf sollte ich bei meiner Körpersprache achten?
Sie sollten es möglichst vermeiden, die Arme zu verschränken. Bisweilen kann es aber auch lässig wirken. Ein absoluter Faux Pas ist es, bei der Begrüßung die Hände in den Taschen zu haben.
Das weiß doch jeder.
Da täuschen Sie sich. Ein vielleicht etwas zu lässiges Bild gab übrigens der US-amerikanische Präsident Barack Obama, als er, beide Hände in den Hosentaschen, mit Frau Merkel durch Dresden spazierte.

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