Frau Margarete Kleinschmidt* aus Köln schrieb mir am 31. Dezember 2008:
Sehr geehrter Herr Fenner,
ich bin die Lebensgefährtin von Herrn Meister*, und wir hatten uns - ich meine es war letztes Jahr - in Berlin kennen gelernt.
Nun hat sich im Zusammenhang mit der Versendung von Weihnachtskarten folgende Frage aufgetan bzw. ich bin kritisiert worden. Ich würde nun gerne von einem Fachmann wissen, welches Verhalten das richtige ist. Deshalb wäre es nett, wenn Sie mir meine Frage beantworten würden. Im Voraus schon mal herzlichen Dank.
Zunächst der Hintergrund:
1. Unsere Weihnachtskarte habe ich selber gestaltet, angefangen vom eigenen Foto bis hin zum Layout, Ausdruck etc., also, es ist erkennbar, dass es keine Karte von der Stange ist, und jeder der uns kennt, weiß, dass ich der “Gestalter” bin.
2. Alle Umschläge habe ich beschriftet und auf der Rückseite den Absender angegeben und mich dabei zuerst genannt, also Margarete Kleinschmidt. und Hans-Joachim Meister.
“Diese Reihenfolge sei falsch” hat man mir gesagt, da ich der Schreiber bin und mich nicht zuerst nennen darf? Ist das so?
3. Wir haben jede Karte mit einem handgeschriebenen Text versehen, die Karten, die ich geschrieben habe, habe ich auch als erste unterschrieben, also links, Herr Meister dann rechts und umgekehrt.
Hat er die Karte geschrieben, hat er als Schreiber links unterschrieben und ich rechts. Ist das nicht korrekt? Gibt es hier andere Regeln?
Ich nehme an, dass literaturmäßig gesehen Ihr Buch “Spaß am Stil” für mich ganz interessant wäre. Hätte ich daran meine Frage beantwortet bekommen?
Haben Sie vielen Dank, und ich wünsche Ihnen einen guten Start in das Jahr 2009 und vielleicht sehen wir uns auch mal wieder…
Bis dahin viele Grüße von
Margarete Kleinschmidt
Meine Antwort am 3. Januar 2009:
Sehr verehrte Frau Kleinschmidt,
das neueste Monatsblatt „Etikette heute“, Winter 2009, des Verlags für die Deutsche Wirtschaft AG, Bonn, widmet sich passender Weise in seiner neuesten Ausgabe der Frage der Reihenfolge der Unterschriften. Allerdings meines Erachtens nur zum Teil richtig!
„Etikette heute“ schreibt zunächst richtig: „Gibt es einen hierarchischen Unterschied, setzt die ‚wichtigere‘ - also höherstehende - Person ihre Unterschrift nach links.“
Das entspricht auch der DIN 5008 (Link: http://www.din-5008-richtlinien.de/unterschrift.php): “Unterschreiben zwei Personen einen Brief, steht der Name der in der Hierarchie am höchsten stehenden Person auf der linken Seite.“ Die Unterschriftenreihenfolge im Geschäftsverkehr steht also fest.
„Etikette heute“ fährt fort: „Für private Schreiben gibt es dazu keine feste Regel. Dort können Sie sich im Grunde genommen völlig frei entscheiden, ob die Frau oder der Mann links unterschreibt.“
„Etikette heute“ empfiehlt jedoch demjenigen die Erstunterschrift (damit meint der Autor die Linkszeichnung, man kann aber auch seine Unterschrift als erster, aber rechts hinsetzen!), der die Empfängerin oder den Empfänger besser kennt. Das kann problematisch sein. Denn erstens gibt es da nicht immer deutliche Unterschiede. Häufig hat ein Ehepaar ein anderes im Urlaub oder sonst wo kennen gelernt, und sie treffen sich auch immer gemeinsam, so dass das Merkmal, „ich kenne die beiden besser“, nicht immer zieht. Und zweitens gelten in Höflichkeitsfragen andere Gesetze. Die einfachste und zugleich wichtigste Benimmregel ist doch, sich selber immer zurück zu nehmen, dem jeweils anderen den Vortritt zu lassen. Diesen Grundsatz beherzigt jeder Briefe- oder Weihnachtskartenschreiber, der seine Unterschrift nach hinten, nämlich an die zweite Stelle, also nach rechts setzt.
Der feine Mann wird demjenigen, der ihm näher steht, den Weihnachtskartentext schreiben. Und unten drunter schreibt er zum Beispiel:
„Mit herzlichen Grüßen,
Eure (dann lässt er reichlich Platz für die Unterschrift seiner Partnerin) und Hans-Joachim“.
So reserviert er seiner mitgrüßenden Partnerin den Ehrenplatz zur Unterschrift an erster Stelle. Und der Empfänger erkennt diese noble Geste sofort an der Handschrift. Er sieht, Hans- Joachim hat ja den ganzen Text geschrieben und hat sich mit seiner Unterschrift an den Schluss platziert. Das ist wirklich fein.
Und wie macht das die Dame von Welt? Ebenso. Wenn sie die oder den Empfänger sowieso sehr gut und viel besser kennt als ihr Partner, kann sie auch einfach für diesen mitunterzeichnen und schreiben:
„Herzliche Grüße, Eure Hans-Joachim und Margarete“ -
oder „…Eure Hans-Joachim Meister und Margarete Kleinschmidt“ -
oder „… Ihre Hans-Joachim und Margarete Meister“, je nach Bekanntschaftsverhältnis und Familienstand.
Gleiches gilt für die Absenderangabe auf dem Briefumschlag mit einer Nuance: Die klassische Form ist, beim Absender (ebenso, wie z.B. auch bei Einladungskarten, „Josef und Inge Kunz bitten . . . .zum Dinner“) den Mann als ersten zu nennen, also „Hans-Joachim und Margarete Meister“. Man stellte die Frau nicht so „schutzlos & bloß“ an den Anfang. Das hat sich - jedenfalls für diejenigen Menschen, die die klassischen Vorschriften wegen der Gleichstellung von Mann und Frau nicht mehr mitmachen möchten - geändert. Die modernere Form ist also dann doch plötzlich ‚ladies first’, obwohl das doch nun zur Gleichstellung gar nicht recht passen will. Menschen, die also als modern eingestuft werden wollen, schreiben als Absender: „Margarete und Hans-Joachim Meister“ bzw. „Margarete Kleinschmidt und Hans-Joachim Meister“.
In diesem Sinne herzlichst,
Ihr Uwe Fenner
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*Namen geändert
Uwe Fenner
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