Die ersten überlieferten Benimmregeln

Mai 30, 2005

„Benimm ist wieder in“, „Lebenseleganz beflügelt die Karriere“ und „Wer gute Manieren zeigt, wird unter sonst Gleichen am Ende immer das Geschäft machen“ - das sind Überschriften, die in unseren härter gewordenen Zeiten immer häufiger zu lesen sind.

Benimmregeln seit dem Mittelalter

Die ältesten bekannten schriftlichen Ratschläge zum guten Benehmen stammen tatsächlich aus dem Jahre 1240.
Ein fahrender Dichter und Minnesänger, der sich als „tanhuser“ bezeichnete, schrieb in jedem Jahr ein Traktat mit dem Titel „Tischzucht“. Immerhin ist dieser Etikette-Buchautor durch Richard Wagners am 19. Oktober 1845 in Dresden uraufgeführte Oper Tannhäuser unsterblich geworden.

Tannhäuser, eigentlich eher Liebeslyriker, entwickelte in seiner Schrift einen umfangreichen Katalog von Benimmregeln, welche unter anderem von diesen Gebräuchen dringend abriet:
Sich während des Tafelns die Nägel zu schneiden, sich so gierig auf das Essen zu stürzen, dass man sich dabei in den Finger biss, „zu schmatzen, zu rülpsen und zu furzen“ oder sich ob der Läuse ausgiebig zu kratzen und sich kräftig in die Hand zu schnäuzen, um mit derselben anschließend die gemeinsame Schüssel nach saftigen Fleischbrocken zu durchsuchen.
Seit dieser Zeit sind also Benimmbücher bekannt.

Benimmbücher von einst und jetzt hatten und haben immer das gleiche Ziel: dem Verfall von Sitte und Anstand mittels sich möglichst in den entsprechenden Kreisen verbreiteter Regeln Einhalt zu gebieten und letztlich das Leben der Menschen miteinander erträglicher zu machen.

Herzlichst Ihr Uwe Fenner
(Benimmregeln historisch, Folge 1, 29. Mai 2005)