„Vitamin B“?

Dezember 1, 2009

In einer der großen Social Communities im Internet mit dem Namen „LinkedIn“ hat der Frankfurter „Social Capitalist“ Torsten Schreiber ein interessantes Thema zur Diskussion gestellt, nämlich die Idee einer „Netzwerk-Elite“.

Torsten Schreiber beschreibt das so:

Neue Gruppe Vitamin B

Liebe Freunde und Unterstützer der Netzwerk-Elite. Gemeinsam mit einigen bekannten Gesichtern haben wir von wenigen Tagen die Gruppe “Vitamin B” hier bei LinkedIn ins Leben gerufen. Die Gruppe ist offen für alle deutschsprachigen Netzwerker auf LinkedIn.

Wir möchten mit diesem Projekt einen unkomplizierten Weg schaffen, die deutsche LinkedIn - Community zu vernetzen. Wir freuen uns daher wenn Sie als aktives Member der Netzwerk-Elite dieser Gruppe beitreten und auch ihr Netzwerk dorthin einladen.

Wer Interesse an einer Zusammenarbeit im Moderatorenteam der künftigen größten deutschen LinkedIn - Gruppe hat, kann mich gerne kontaktieren.

Viele Liebe Grüße

Torsten Schreiber

Hierzu mein Kommentar bei LinkedIn vom 7. November 2009:

Ist der Name “Gruppe Vitamin B” wirklich glücklich gewählt?

Das Herausstellen guter persönlicher Kontakte, die in speziellen Fällen zur Vereinfachung von Geschäften und Handlungen führen können, ist doch eigentlich zumindest dann immer peinlich gewesen, wenn sonst keine Substanz hinter den Handlungen stand. Deswegen wurden die allein auf guten Beziehungen basierenden Vorteile von Menschen, die ansonsten ihre Aufgaben eher mit minderwertiger Qualität lösten, als mit “Vitamin B” hergestellt verunglimpft. Und das geschah wohl auch zu Recht.

Das Anliegen dieser Gruppe verstehe ich anders, wenn ich es denn richtig verstehe?! Sollen sich hier nicht Menschen austauschen, die aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung, durch ihre hohe Intelligenz, durch Ideenreichtum und Arbeitseinsatz große Erfolge erzielt haben, die sie mit ihrer Fähigkeit, andere Menschen zu faszinieren, mit diesen gute Kontakte zu unterhalten, sie an sich zu binden, sich mit ihnen auszutauschen und dadurch ihr Lebensbild zu bereichern, multiplizieren? Sind nicht Aufbau und Pflege von Freundschaften und die gegenseitige Bereicherung durch diese Jahrtausende alte Kultur, die man seit ein paar Jahren Netzwerken oder networking nennt nur die kluge, aber konsequente Ergänzung des eigentlich primären Schaffens jedes Einzelnen?

Ich glaube der gute Rechtsanwalt lebt erst mal von der Qualität seiner fachlichen Arbeit und dann davon, dass er mannigfachen Umgang mit vielen Menschen hat, die ihn loben und von ihm sprechen. Der Dachdecker baut erst mal gute Dächer und überzeugt mit der fachlichen Qualität seiner Arbeit, eher er sich durch kluge und freundliche Information und Kommunikation eines ständig wachsenden Kreises von Freunden, Kunden und Mitgliedern von Vereinen und Clubs, denen er angehört, ein Netzwerk schafft, welches geeignet ist, seinen Wirkungsgrad zu erhöhen.

Netzwerken um des Netzwerken willens? Netzwerken ohne Substanz? Das kann es wohl nicht sein, und das kann auch sicherlich nicht Anliegen dieser Gruppe sein, wenn sie sich als Elite bezeichnet und sich selber ernst nehmen will.

Dann würde ich aber über diesen Namen nachdenken. Er suggeriert: Netzwerken ums Verrecken, egal, was der Mensch sonst noch einzubringen in der Lage ist. Diesen Eindruck wollen wir wahrscheinlich nicht hervorrufen, oder?

Herzlichst,

Ihr

Uwe Fenner

Institut für Stil & Etikette
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