Vorstellung als Dr.?

August 25, 2006

Dr. M. H. schrieb an mich:

An: Uwe Fenner
Betreff: Vorstellung als Dr.?

Sehr geehrter Herr Fenner,

Ein Freund hat mich auf Ihre sehr interessante und aufschlussreiche Seite aufmerksam gemacht. Ich habe eine kurze Frage an Sie, die sie mir vielleicht freundlicherweise beantworten können: Wie stellt man sich vor, wenn man einen Dr.-Titel hat? Sagt man z.B.
“Guten Tag, Dr.H.”?
Oder
“Dr. M. H.”?

Diese Unsicherheit begleitet mich nun schon seit einigen Jahren. Vielleicht wäre es auch ein interessantes Posting für Ihren Blog!

Mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank aus Frankfurt
M. H..

Uwe Fenner, Headhunter und Coach schrieb:

Sehr geehrter Herr Dr. H.,

das ist eine interessante Frage; es gehört ein bisschen Fingerspitzengefühl dazu.

Generell gilt:
Man stellt sich selber in den allermeisten Fällen ohne Doktortitel vor, also mit „H….!“ oder „M…. H…., guten Tag!“

Jeder höfliche Dritte stellt Sie jedoch jedem anderen mit,„darf ich Sie mit Herrn Dr. H…. bekannt machen?“ vor.

Es kann aber sein, dass Sie in einem beruflichen Umfeld aus beruflichen Gründen in ihrer Vorstellung gleich den Eindruck,in was für einer Tätigkeit Sie einzuordnen sind, vermitteln wollen oder einem zu befürchtenden Irrtum zuvor kommen wollen.

Das kann durchaus in geradezu rücksichtsvoller Absicht geschehen, damit diejenigen, die Sie gerade begrüßen wollen, gleich als Information mitbekommen, bei diesem Herrn handelt es sich also sicher nicht um den Pförtner der Firma.

In solchen eher seltenen Fällen kann es hingenommen, ja geradezu als Erleichterung empfunden werden, wenn Sie sich etwa so vorstellen:

„Guten Tag, H….. - Dr. M…. H……!“

Wenn ich oben sagte, dass jeder Dritte Sie und alle anderen promovierten Akademiker immer mit „Herr Dr. H…….“ bzw. „Herr Dr. Soundso“ vorstellt, gleichviel, ob der Vorstellende selber einen Doktortitel hat oder nicht, so muss ich das doch etwas einschränken.

Im eher privaten gesellschaftlichen Leben streicht man auch als Dritter nicht so sehr die Würden des anderen heraus, weil in dem bestimmten Kreis, in welchem man sich gerade befindet, natürlich jeder diese Würde besitzt.

Zumindest geht man davon aus, so dass das Weglassen des Titels in einem solchen Fall eher vornehm ist, das ewige Titel-Nennen eher aufgesetzt wirken kann.

Dort stellt Ihr Freund Sie den anderen Partygästen mit „das ist M….. H……“ vor, auch wenn er selber keinen Titel hat.

So wird er selbst bei adligen Zeitgenossen verfahren und den in dieser Gesellschaft ganz selbstverständlich verkehrenden Grafen Löwenherz mit „Heinrich Löwenherz“ vorstellen, sofern der Kreis einigermaßen homogen ist.

Korrigieren sollten Sie Ihre Mitarbeiter, wenn Sie gewahr werden, dass diese, wenn Sie verlangt aber abwesend sind, sagen,

„Herr H….. ist außer Haus“.

Selbst wenn Sie Ihren Mitarbeitern angeboten haben sollten, dass sie Sie nicht mit „Dr. H……“ ansprechen müssen, sollten die Mitarbeiter, wenn sie mit anderen Personen von Ihnen sprechen, immer Ihren Doktortitel mitnennen: „Herr Dr. H……. ist zur Zeit nicht in seinem Büro!“

Auch sollten Sie Ihrer Sekretärin beibringen, sich zu merken, wer von Ihren Geschäftspartnern einen Doktortitel besitzt.

Hat der Anrufer Dr. Andreas Melmerich sich bei Ihrer Sekretärin (richtig) mit „hier ist Melmerich, kann ich bitte Herrn Dr. H…… sprechen?“, gemeldet und Sie waren nicht da, und die Sekretärin sagt Ihnen später:
„Herr Melmerich hat angerufen“, so rügen Sie sie und sagen, „Dr. Melmerich!“

Und wenn sie dann erwidert:

„Er hat nur ‚Melmerich’ gesagt“

, dann klären Sie Ihre Sekretärin folgendermaßen auf:

Der feine Mann mit Doktor nennt nie seinen eigenen Titel, wir müssen einfach wissen und uns merken, wer einen Doktortitel hat, und ich bitte Sie, solche Gesprächspartner - egal, ob männlich oder weiblich - immer mit „Herr oder Frau Doktor Soundso“ anzureden und vor Dritten auch über den jeweiligen Doktor-Träger entsprechend zu reden, also, „Herr Dr. Melmerich hat für Sie angerufen!“

Herzliche Grüße,

Ihr Uwe Fenner
Headhunter und Coach