Vorstellung und Begrüßung, wenn keiner keinen kennt

September 3, 2013

Herr A. Ch. schrieb mir am 22. August 2013

Betreff: Begrüssungsfrage

Sehr geehrter Herr Fenner,

Ihr Buch ‘Erfolgreich mit Stil’ hat mir ausnehmend gut gefallen. Es beantwortete viele meiner Fragen.

Doch eine Problematik ist für mich noch ungeklärt: Wenn meine Frau und ich ein anderes, uns persönlich nicht bekanntes Paar besuchen, wer reicht wem bei der Begrüssung zuerst die Hand. Es würde mich freuen, wenn Sie mir den sonst so selbstverständlichen Vorgang erklären könnten, so dass er unfallfrei abläuft.

Mit freundlichem Gruß,

A. Ch.

 

Meine Antwort am 26. August 2013

Sehr geehrter Herr Ch.,

Ihre Frage ist nicht einfach zu beantworten; denn diese Situation gibt es kaum im guten gesellschaftlichen Leben, eher schon im geschäftlichen. Wann besuchen Sie mit Ihrer Frau unbekannte Personen. Und wenn Sie jemanden besuchen, weil Sie sich mit Ihrer Frau z.B. als neuer Mieter oder Miteigentümer beispielweise Ihren Ihnen noch unbekannten Mitbewohnern vorstellen wollen und einfach klingeln: Es öffnet doch normalerweise nur eine Person die Entré-Tür. Ist es eine Dame gehen Sie als beschützender Ehemann der Nachbarin entgegen, ein paar Schritte vor Ihrer Frau, machen eine kleine Verbeugung, stellen sich vor mit den Worten, „A. Ch., Guten Tag, ich komme mit meiner Frau Elisabeth, die ich Ihnen hiermit gleichzeitig vorstellen darf. Wir wohnen seit 3 Tagen eine Treppe über Ihnen, und ich möchte uns doch gerne bei den anderen Bewohnern dieses Hauses bekannt machen.” Während Sie diesen Spruch machen, wird Ihnen eine gut erzogene Mitbewohnerin schon Ihre Hand reichen, zumal Ihre Frau ja in einigem Abstand hinter Ihnen steht. Falls die Nachbarin sich nicht gleichzeitig ebenfalls vorstellt, werden Sie  -  indem Sie die dargebotene Hand der Nachbarin zum Gruße schütteln  -  sagen, “Sie sind sicher Frau Andersen, guten Tag, und das ist meine Frau Elisabeth  -” und, indem Sie sich Ihrer Frau zuwenden, “Elisabeth, das ist unsere Nachbarin über uns, Frau Andersen.” Und Ihre Frau gibt der Frau Andersen die Hand.

Öffnet der Mann die Tür, passiert das Gleiche. Dass beide an der Tür stehen, ist unrealistisch. Das passiert nur, wenn Sie und Ihre Frau als Gäste erwartet werden, und dann kennen Sie sich ja.

In dem für mich im Moment eigentlich gar nicht richtig denkbaren theoretischen Fall, dass Sie mit Ihrer Frau spontan auf ein Ehepaar treffen, das Sie begrüßen und dem Sie sich vorstellen wollen, vielleicht auf dem Golfplatz, wo vor Ihnen solch ein Paar spielt, in dessen Nähe Sie zufällig geraten, ergreifen Sie als Mann die Initiative. Sie gehen, wie im Nachbarschaftsfall oben, auf das Paar zu und sprechen denjenigen Teil an, den Sie als erstes erreichen. Ist es die Frau, stellen Sie sich  -  genau wie oben erwähnt vor, begrüßen die Dame ähnlich wie vorerwähnt, indem Sie auch Ihre Frau vorstellen  -  immer hoffend, dass die unbekannte Dame auch ihren Namen nennt, und begrüßen anschließend den Mann. Sind die beiden stur und nennen sie nicht ihre Namen, sollten Sie versuchen, diese durch liebenswürdiges Nachfragen zu erfahren: „Wir sind uns  -  glaub‘ ich  -  auf diesem Golfplatz noch nie begegnet. Ich bin, wie erwähnt, A. Ch., und das ist meine Frau Elisabeth. Darf ich, damit ich Sie auch richtig anreden kann, nach Ihren Namen fragen . . . .?“

Die beste Vorstellung geschieht immer durch einen Dritten, der beide Paare kennt. Deshalb würde man auf dem Golfplatz vielleicht einen Freund, von dem man weiß, dass er fast alle Mitglieder kennt, bitten: „Du kennst doch sich die beiden, die da drüben gerade am Abschlag stehen. Kannst Du meine Frau und mich bitte mal mit diesen Golfern bekannt machen?“ Dann stellt der Dritte alle miteinander vor  -  die eleganteste Lösung.

Herzlichst,

Ihr Uwe Fenner